Nach Bürgerinitiative: Brüssel will mit Games-Branche reden

16.06.2026 16:42

Fast 1,3 Millionen Unterschriften: Ein Begehren von Videospiel-Fans
landet auf dem Tisch der EU-Kommission, die nun aktiv werden will. Es
geht darum, wann bei Spielen Schluss sein darf.

Brüssel (dpa) - Die EU-Kommission erteilt dem Wunsch einer
Bürgerinitiative eine Absage, einmal gekaufte Videospiele per Gesetz
spielbar zu halten. Die Brüsseler Behörde will stattdessen einen
Dialog mit der Games-Branche und Vertretern auf Verbraucherseite
starten, um gemeinsam einen Verhaltenskodex für den Umgang mit dem
«Lebensende» von Videospielen auszuarbeiten, wie aus einer Mitteilung
hervorgeht.

Die Zocker hatten gefordert, dass die Herausgeber von Videospielen
diese auch nach Ende des kommerziellen Betriebs in einem spielbaren
Zustand belassen müssen. Hintergrund ist die verbreitete Praxis, dass
Betreiber Server abschalten, auf die moderne Spiele angewiesen sind -
wodurch diese teilweise oder vollständig unspielbar werden. Die
Initiative hatte innerhalb eines Jahres fast 1,3 Millionen
Unterschriften für ihr Anliegen gesammelt. 

Brüssel verweist auf Urheberrechte 

Die Europäische Kommission begründete ihre Ablehnung, die Fälle
gesetzlich zu regeln, unter anderem mit bestehenden
EU-Urheberrechten. Demnach könnten die Rechteinhaber allein über die
Nutzungsbedingungen ihrer Werke bestimmen. 

Das geltende EU-Verbraucherrecht sehe zudem bereits wichtige
Schutzmaßnahmen für die wirtschaftlichen Interessen der Verbraucher
vor, teilte die Brüsseler Behörde mit. So müssten Anbieter von
Videospielen die Verbraucher über die Laufzeit und die Bedingungen
für die Kündigung des Vertrags informieren und gegebenenfalls
Entschädigungen leisten.

Kritik von SPD-Abgeordnetem: «Bedeutungslose Symbolpolitik»

Deutliche Kritik an der Antwort der EU-Kommission kam vom
SPD-Europaabgeordneten Tiemo Wölken: «Statt zu handeln, will die
Kommission die Initiative mit bedeutungsloser Symbolpolitik
abspeisen», teilte der deutsche Politiker mit. Es brauche einen
Gesetzesvorschlag. «Wer Geld für ein Videospiel bezahlt, darf nicht
irgendwann vor einem digitalen Totalschaden stehen, nur weil ein
Konzern entscheidet, den Stecker zu ziehen», fügte Wölken hinzu.