EU-Bericht: Deutschland fehlt Tempo bei digitalem Wandel

17.06.2026 18:20

Wettbewerbsfähig, souverän und wertebasiert: Die EU hat sich bei der
Digitalisierung bis 2030 hohe Ziele gesteckt. Wie steht es um den
digitalen Fortschritt in Deutschland?

Brüssel (dpa) - Deutschland hinkt im europaweiten Vergleich bei der
Digitalisierung wegen struktureller Probleme zum Teil deutlich
hinterher - trotz vereinzelter Trümpfe. Besonders beim
Glasfaserausbau und der 5G-Netzabdeckung hat die Bundesrepublik noch
klaren Nachholbedarf, wie aus einem Bericht der EU-Kommission
hervorgeht. 

Anhaltende strukturelle Schwächen begrenzten das Potenzial bei der
Digitalisierung, heißt es darin. So belege Deutschland beim
Glasfaserausbau den vorletzten Platz in der EU. Zudem hänge man bei
der Digitalisierung der Behörden hinterher: Sowohl die Verfügbarkeit
digitaler Angebote als auch deren Nutzung fallen demnach im
EU-Vergleich gering aus. Die Akzeptanz der Online-Ausweisfunktion sei
besonders niedrig.

Brüssel: Fehlendes Tempo - mehr KI-Infrastruktur nötig 

Verbesserungen seien zwar im Gange, es fehle jedoch an Tempo. Die
Empfehlung des Berichts: «Angesichts der insgesamt schwierigen
wirtschaftlichen Lage sind schnellere und tiefgreifendere Anpassungen
erforderlich, um Wettbewerbsfähigkeit und Produktivität zu stärken.
»

So sei insbesondere die Implementierung von KI eine Baustelle. Es sei
mehr Kapazität in Rechenzentren nötig. Zudem brauche es mehr
Infrastruktur, etwa durch KI-Testzentren und KI-Fabriken. Auch wenn
es um Spezialisten geht, gebe es noch Verbesserungsbedarf: Der Mangel
an IT-Fachkräften in Deutschland bremse die Wirtschaft spürbar aus. 


Bericht sieht auch deutsche Stärken 

Gleichzeitig listet der Bericht auch Stärken auf. So sei die
Bundesrepublik der größte Standort für Mikroelektronik in der
Europäischen Union und nehme bei Quantentechnologien eine führende
Rolle ein. Quantencomputer können manche Probleme viel schneller
lösen als herkömmliche Computer - vor allem in Bereichen wie
Kryptographie, Materialforschung oder KI. Im Bericht wird auch der
sogenannte Supercomputer Jupiter lobend erwähnt, der im
Forschungszentrum Jülich bei Aachen steht. Er gilt als einer der
schnellsten Computer der Welt. 

Der sogenannte Digital Decade Report ist ein jährlicher
Fortschrittsbericht der Europäischen Kommission zur digitalen
Entwicklung in der EU. Er soll zeigen, wie weit die EU und ihre
Mitgliedsländer bei der Umsetzung verschiedener Digitalisierungsziele
für das Jahr 2030 sind. Im nächsten Jahr wolle man das Programm, an
dem der Report sich orientiert, noch einmal unter die Lupe nehmen und
an die heutigen Gegebenheiten anpassen, hieß es aus Brüssel.