EU-Ratspräsident Costa streckt Fühler nach Moskau aus
18.06.2026 20:34
Wer redet wann mit Moskau? Der EU-Ratspräsident lässt diplomatische
Drähte nach Russland legen - und stößt bei den europäischen Staats-
und Regierungschefs damit auf gemischte Reaktionen.
Brüssel (dpa) - Das Büro von EU-Ratspräsident António Costa hat f
ür
mögliche Verhandlungen über das Ende des Ukraine-Krieges Kontakt mit
Russland aufgenommen. «In den vergangenen Wochen gab es kurze
Kontakte auf diplomatischer Ebene, um Kommunikationskanäle zu
eröffnen», bestätigte ein EU-Beamter. Es seien jedoch keine
inhaltlichen Gespräche geführt worden. Zuvor hatte «Politico»
berichtet.
In allen denkbaren Zukunftsszenarien habe die EU spezifische
Interessen, die es zu verteidigen gelte. «Daher ist es wichtig,
etablierte diplomatische Kanäle zu Russland zu unterhalten. Die EU
ist kein Vermittler.» Sie unterstütze die Ukraine in ihren Bemühungen
um einen gerechten und dauerhaften Frieden, hieß es weiter.
Gemischte Reaktionen unter Staats- und Regierungschefs
«Präsident Selenskyj hat Europa aufgefordert, eine aktivere Rolle bei
der Schaffung der Voraussetzungen für Friedensverhandlungen zu
übernehmen.» Über die mögliche Kontaktaufnahme und die Themen, die
zum richtigen Zeitpunkt diskutiert werden sollen, habe sich Präsident
Costa in den vergangenen Wochen eng mit den europäischen Staats- und
Regierungschefs abgestimmt.
Vor dem EU-Gipfel in Brüssel fielen die Reaktionen der
Spitzenpolitiker auf den Vorstoß unterschiedlich aus. Österreichs
Kanzler Christian Stocker begrüßte die Eröffnung von Gesprächskan
älen
ausdrücklich. «Auf welcher Ebene, ist mir nicht so wichtig. Wichtig
ist mir, dass es zu Gesprächen kommt», sagte Stocker. Ähnlich
reagierte Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez: «Wir sind
selbstverständlich bereit und offen dafür, jeden Versuch zu
unterstützen, der unternommen werden kann, um Frieden zu erreichen
und den Krieg in der Ukraine zu beenden.»
Der litauische Präsident Gitanas Nauseda reagierte verhaltener.
Bislang vermisse er vor allem den konkreten Inhalt dieser
Verhandlungen. «Meiner Ansicht nach ist es daher viel besser, tätig
zu werden, wenn wir positive Signale aus Russland wahrnehmen», sagte
er. Doch eine Bereitschaft Russlands für Friedensverhandlungen sehe
er nicht. Der niederländische Ministerpräsident Rob Jetten bewertete
die Kontaktaufnahme auf Nachfrage nicht direkt, sagte aber: «Es ist
noch viel zu früh, um festzulegen, wer der europäische
Verhandlungsführer sein könnte.»
