Ärger bei EU-Gipfel um Russland-Initiative Costas
19.06.2026 01:23
Es soll nur ein kurzer Austausch mit Russland zur Öffnung von
diplomatischen Kanälen gewesen sein. Er sorgt damit aber für große
Aufregung.
Brüssel (dpa) - EU-Ratspräsident Antonio Costa hat beim EU-Gipfel mit
seiner Kontaktaufnahme mit Russland für Verärgerung gesorgt. Aus
deutschen Regierungskreisen war nach den Beratungen zum Ukraine-Krieg
von einem «Affront» die Rede. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) habe
in der Sitzung klargestellt, dass Costa der Repräsentant der
Europäischen Union sei, aber nicht der Vermittler.
Costas Büro hatte zuvor bestätigt, dass es kurze Kontakte mit
Russland gab, um diplomatische Kanäle zu öffnen - ohne inhaltlichen
Austausch und ohne Verhandlungen. Es soll um zwei Telefonate von
Mitarbeitern des EU-Ratspräsidenten gegangen sein.
Costa verteidigt Initiative
Costa verteidigte die Kontaktaufnahme nach Angaben aus seinem Umfeld
beim Gipfel. «Das Ziel war es, bereit zu sein, wenn der richtige
Moment gekommen ist, um die Interessen der EU zu verteidigen»,
argumentierte er nach Angaben einer EU-Beamtin im Gespräch mit den
Staats- und Regierungschefs.
Der wichtigste Punkt sei, dass die Europäer sich weiterhin über den
Umgang mit Russland abstimmten «Und die Rolle des Präsidenten besteht
darin, die Einheit der EU zu wahren», hieß es weiter. Eine Reihe von
Staats- und Regierungschefs hätten in der Diskussion darauf
hingewiesen, dass der Präsident «gemäß den Verträgen der natürl
iche
Vertreter der Interessen der EU ist».
Deutsche Regierungskreise: Vorstoß war unabgestimmt
In den deutschen Regierungskreisen wurde der Vorstoß dagegen als
«unabgestimmt» und «unprofessionell» beschrieben. Die Staats- und
Regierungschefs seien erst nachträglich darüber informiert worden.
Die diplomatischen Bemühungen um ein Ende des Krieges in der Ukraine
sollten weiterhin von den Staaten vorangetrieben werden, die die
Ukraine am stärksten unterstützten. Gemeint ist die sogenannte E3,
der Deutschland, Frankreich und Großbritannien angehören.
