CSU-Mann Weber: Kritik an EU-Ratspräsident «ein bisschen übertrieben »
19.06.2026 08:25
António Costa hat ohne Absprache Kontakt mit Russland aufgenommen und
viele europäische Staats- und Regierungschefs damit verärgert. Deren
Reaktion findet der Europapolitiker Manfred Weber überzogen.
Berlin (dpa) - Der Europaabgeordnete und CSU-Vize Manfred Weber hat
die Kritik am jüngsten Vorgehen des EU-Ratspräsidenten António Costa
im Ukraine-Konflikt als «ein bisschen übertrieben» bezeichnet. Costa
hatte mit einer unabgesprochenen Kontaktaufnahme zu Russland für
Verärgerung gesorgt. Der Kabinettschef des Portugiesen habe
technische Kontakte aufgenommen, sagte Weber dem Deutschlandfunk
(DLF): «Das war nicht abgestimmt, insofern nicht optimal.»
Aber man habe so eine gute Woche beim EU-Gipfel gehabt, gab der
Fraktionsvorsitzende der konservativen Parteienfamilie EVP im
EU-Parlament zu bedenken. «Da finde ich, ehrlich gesagt, jetzt auch
die Reaktion der Staats- und Regierungschefs gegenüber António Costa
auch ein bisschen übertrieben.»
Die Russland-Initiative des EU-Ratspräsidenten wurde vor dem
EU-Gipfel in Brüssel durch einen «Politico»-Bericht bekannt. Costas
Büro bestätigte anschließend, dass es Kontakte mit Russland gegeben
habe, um diplomatische Kanäle zu öffnen - ohne inhaltlichen Austausch
und ohne Verhandlungen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) stellte in
der Sitzung nach den Beratungen zum Ukraine-Krieg klar, dass Costa
der Repräsentant der Europäischen Union sei, aber nicht der
Vermittler, wie es hieß. Andere Staats- und Regierungschefs äußerten
nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur ebenfalls Unmut,
darunter Frankreichs Präsident Emmanuel Macron.
Weber forderte, einen Schlussstrich unter die Angelegenheit zu
ziehen, und gab als Motto «Zurück zu den Sachthemen» aus. Als
Vertreter der EU würde er darauf beharren, «dass Europa insgesamt
verhandeln muss», sagte er dem DLF. Russland sei in der Defensive,
wirtschaftliche gehe es dem Land schlecht, die Angriffe der Ukraine
seien zurzeit beachtlich. «Und dieses Momentum ist da und das müssen
wir jetzt ergreifen.» Das Signal aus Brüssel an Kremlchef Wladimir
Putin müsse sein: «Also wir wollen verhandeln.» Es brauche noch mehr
Druck auf Moskau. Weber plädierte daher für eine Überprüfung der
Sanktionen gegen Russland und Beratungen über weitere Maßnahmen mit
den USA.
