Costa bekommt Unterstützung für Russland-Initiative

19.06.2026 12:30

Deutschland und Frankreich bremsen die Russland- Initiative des
EU-Ratspräsidenten aus. Er hat aber auch Unterstützer.

Brüssel (dpa) - EU-Ratspräsident António Costa hat beim EU-Gipfel von

mehreren Regierungschefs Unterstützung für die Kontaktaufnahme seines
Teams zu Russland bekommen. «Die Eröffnung eines Gesprächskanals ist

aus unserer Sicht kein Fehler - und ich vertraue António Costa»,
sagte Irlands Regierungschef Micheál Martin. «Natürlich würde er im

Rahmen unserer europäischen Zuständigkeiten im Falle der Aufnahme von
Verhandlungen die Union vertreten.» Bis dahin sei es jedoch noch ein
weiter Weg.

Auch der lettische Ministerpräsident Andris Kulbergs sprach sich
dafür aus, dass Costa für die EU am Verhandlungstisch sitzt. «Es
sollte kein einzelnes Land diese Rolle übernehmen», sagte er. «Wir
haben die Institutionen geschaffen, das ist also klar. Wir sollten
die Regeln nicht ändern.»

Stocker: «Es hat keine Kritik an Costa gegeben»

Der österreichische Kanzler Christian Stocker stellte sich ebenfalls
hinter den Ratspräsidenten. «Es hat keine Kritik an Costa gegeben,
weil es darum geht, dass wir Kanäle haben und dass wir uns
vorbereiten auf eine Situation, wenn Verhandlungen eintreten», sagte
er. 

Costas Büro hatte am Donnerstag bestätigt, dass es Kontakt mit
Russland aufgenommen habe, um diplomatische Kanäle zu öffnen - ohne
inhaltlichen Austausch. Nach dpa-Informationen ging es um zwei
Telefonate von Costas Kabinettschef Pedro Lourtie.

Merz-Delegation sieht «Affront»

In deutschen Regierungskreisen war daraufhin von einem «Affront» die
Rede. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) habe in der Sitzung
klargestellt, dass Costa der Repräsentant der Europäischen Union sei,
aber nicht der Vermittler, hieß es. Andere Staats- und
Regierungschefs äußerten nach Informationen der Deutschen
Presse-Agentur ebenfalls Unmut, darunter auch Frankreichs Präsident
Emmanuel Macron.