Gentechnik-Reform: Zustimmung und Kritik in Sachsen-Anhalt

19.06.2026 14:26

Trockenheit, Schädlinge, Klimawandel: Sachsen-Anhalts Bauern und
Forscher verbinden große Hoffnungen mit neuer Gentechnik.
Umweltverbände warnen hingegen vor Risiken.

Magdeburg/Gatersleben (dpa/sa) - Trockenheitsresistente Weizensorten
oder Pflanzen, die mit weniger Pflanzenschutzmitteln auskommen: Die
Lockerung der EU-Regeln für neue gentechnische Verfahren stößt in
Sachsen-Anhalt bei Landwirtschaft und Forschung auf Zustimmung.
Umweltverbände warnen hingegen vor Risiken für Verbraucher und Natur.
Das zeigen Reaktionen aus Landwirtschaft, Forschung und Umweltschutz.

Das Europäische Parlament hat vor wenigen Tagen den Weg für neue
Regeln für sogenannte neue genomische Techniken (NGT) wie die
Gen-Schere CRISPR/Cas freigemacht. Bestimmte gentechnisch veränderte
Pflanzen sollen künftig deutlich leichter zugelassen werden.
Lebensmittel daraus müssen in vielen Fällen nicht gesondert
gekennzeichnet werden.

Bauern hoffen auf robustere Pflanzen

Der Landesbauernverband sieht darin Chancen für die Landwirtschaft.
Neue Züchtungsmethoden könnten helfen, Kulturpflanzen schneller an
Klimawandel, Trockenheit und neue Schädlinge anzupassen. «Gerade für

die Landwirtschaft in Sachsen-Anhalt, die regelmäßig von
Trockenperioden und Wetterextremen betroffen ist, können neue
Züchtungsmethoden dazu beitragen, widerstandsfähigere Sorten mit
stabileren Erträgen zu entwickeln», teilte der Verband auf Anfrage
mit.

Rückenwind kommt auch aus der Forschung. Das Leibniz-Institut für
Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK) in Gatersleben
sieht in der Reform Chancen für die Entwicklung klimaangepasster
Kulturpflanzen. «Wir begrüßen die heutige Entscheidung
außerordentlich», erklärte Institutsdirektor Nicolaus von Wirén. Di
e
neuen Verfahren ermöglichten präzisere Eingriffe und schnellere
Züchtungserfolge. «Das ist wichtig, weil es jetzt vor allem um die
schnelle Anpassung der Kulturpflanzen an das sich verändernde Klima
und den verringerten Einsatz von Agrochemikalien geht», sagte von
Wirén.

Umweltverband kritisiert fehlende Kennzeichnung

Kritik kommt vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND).
Das Europaparlament habe mit seiner Entscheidung Umwelt,
Landwirtschaft und Verbraucher im Stich gelassen, erklärte
BUND-Vorsitzender Olaf Bandt. Der Verband befürchtet unter anderem,
dass Verbraucher künftig nicht mehr erkennen können, ob Lebensmittel
mit Hilfe neuer gentechnischer Verfahren erzeugt wurden. Zudem sieht
der BUND Risiken durch fehlende Risikoprüfungen und eine stärkere
Patentierung von Saatgut.

Die neuen Regeln sollen nach einer Übergangsfrist voraussichtlich ab
Mitte 2028 gelten.