EU-Kommission plant Instrument gegen Abhängigkeit von China

19.06.2026 18:41

Günstige Exporte aus China machen europäischen Produkten Konkurrenz,
gleichzeitig ist die Industrie auf Rohstoffe angewiesen. Was tun? Die
EU-Spitzenpolitiker geben der Kommission einen Auftrag.

Brüssel (dpa) - Die EU-Kommission will ein neues Instrument zur
Verringerung der Abhängigkeit von kritischen Rohstoffen aus China
entwickeln. Das sei nötig, um Risiken zu verringern, sagte
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen nach einem Treffen der
Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union. Sie sprach von
«klarer Unterstützung für eine europäische Antwort, die auf der
Einheit der Mitgliedstaaten und dem Dialog mit China beruht». Die EU
müsse das Problem globaler Ungleichgewichte angehen. 

Konkrete Maßnahmen wurden nicht genannt. Um Zölle soll es bei den
Gesprächen der Staats- und Regierungschefs in Brüssel nicht gegangen
sein.

EU braucht seltene Erden aus China 

Die EU ist derzeit bei mehreren Rohstoffen stark von China abhängig -
etwa bei Magnesium und seltenen Erden. Seltene Erden stecken in
Bildschirmen von Smartphones oder Fernsehern, aber auch in den
Antrieben für Elektromotoren, Halbleitern oder Turbinen. China hatte
im April 2025 Exportkontrollen verhängt. Die Maßnahme wurde als
Vergeltungsmaßnahme für die Zoll-Politik von US-Präsident Donald
Trump verstanden, die China besonders stark traf. Aber auch deutsche
Unternehmen sind betroffen.

Bei ihrem Treffen am Mittwoch im französischen Évian hatten sich die
Spitzen der führenden demokratischen Wirtschaftsmächte (G7) schon
darauf verständigt, Obergrenzen für die Einfuhr bestimmter Rohstoffe
zu erreichen, um so das Risiko der Erpressbarkeit durch Länder wie
China zu verringern.

EU-Handelskommissar Maros Sefcovic hatte Anfang Juni für ein
Instrument zur Diversifizierung geworben. Jeder Hochrisikosektor
müsse von der Abhängigkeit von einem einzigen Lieferanten befreit
werden. 

Neben der Abhängigkeit von Rohstoffen setzt auch die oftmals
billigere chinesische Konkurrenz Europas Industrie zu. Das Land
exportiert mit enormer staatlicher Förderung viel, kauft gleichzeitig
wenig ein und erzielt damit Rekordüberschüsse. Mit einem neuen
Fünfjahresplan machte Peking zuletzt klar, dass China auch künftig
strategische Branchen wie Halbleiter und Künstliche Intelligenz
fördern will.

Riesiges Handelsdefizit

«Im vergangenen Jahr verzeichnete die Europäische Union mit 360
Milliarden Euro ihr bisher größtes Handelsdefizit mit China», sagte
von der Leyen - rechnerisch eine Milliarde Euro pro Tag. Erstmals
wiesen demnach auch alle Mitgliedstaaten ein Handelsdefizit gegenüber
China auf.

Europa müsse zudem die Instrumente proaktiver und strategischer
einsetzen, die es bereits gebe, um den Markt vor unlauteren Praktiken
zu schützen, sagte von der Leyen. Die Spitzenpolitiker hatten sich
bei einem Essen über das Thema ausgetauscht.