Polen fordert Platz am Verhandlungstisch zur Ukraine
20.06.2026 08:00
Nach Gesprächen von Deutschland, Frankreich und Großbritannien über
ein Ende des Ukraine-Kriegs fühlt sich Polen übergangen.
Außenminister Sikorski macht nun einen Vorschlag.
Frankfurt/Brüssel (dpa) - Der polnische Außenminister Rados?aw
Sikorski kritisiert die Führungsrolle von Deutschland, Frankreich und
Großbritannien bei den Gesprächen zum Ukraine-Krieg. «Zwischen dem
Schwarzen Meer, der Ostsee und der Adria leben 120 Millionen Menschen
in der EU, zusammen mit Skandinavien sind es 150 Millionen Menschen,
die von Russlands Aggression viel direkter bedroht sind als
Deutschland», sagte er der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung
».
«Wir sind Nachbarn sowohl von Russland als auch der Ukraine, Sie sind
das in Deutschland nicht», sagte er der Zeitung. Polen befinde sich
an vorderster Front, führte er aus und verwies auf die durch das Land
laufenden Rüstungslieferungen an die Ukraine. Polen trage das Risiko
dafür und fordere daher einen Platz am Verhandlungstisch.
Er schlug demnach vor, «den Weg über die in den EU-Verträgen
festgelegten Institutionen gehen, wie den EU-Ratspräsidenten». Oder
man müsse an einer «Koalition der Willigen» arbeiten, die den
Kontinent bei Verhandlungen vertritt, sagte er der «F.A.S.».
Die Europäische Union präsentiert sich gespalten in dieser Frage.
Ratspräsident António Costa wurde beim EU-Gipfel nach der
umstrittenen Kontaktaufnahme seines Teams mit Moskau von
Bundeskanzler Friedrich Merz und dem französischen Präsidenten
Emmanuel Macron hart ausgebremst. Die beiden wollen zusammen mit dem
nicht mehr zur EU gehörenden Großbritannien die Federführung bei den
Friedensbemühungen behalten.
Merz lud zu Treffen im E5-Format ein
Merz hat die Staats- und Regierungschefs von Frankreich,
Großbritannien, Italien und Polen für kommende Woche zu einem
sogenannten E5-Treffen nach Berlin eingeladen. Dabei soll es um die
Nachbereitung des G7-Gipfels und des EU-Gipfels in dieser Woche
gehen.
Vor rund eineinhalb Wochen hatte bereits der polnische
Ministerpräsident Donald Tusk den Ausschluss seines Landes aus den
Ukraine-Gesprächen im sogenannten E3-Format mit Deutschland,
Frankreich und Großbritannien gerügt. Merz, der britische Premier
Keir Starmer, der französische Präsident Emmanuel Macron und der
ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj hatten sich zuvor in
London getroffen.
