Bischof kritisiert EU-Pläne für Asylsystem an Außengrenzen

20.06.2026 12:26

Sogenannte Return Hubs außerhalb der EU sollen nach Ansicht
Deutschlands ein entscheidender Baustein für mehr Abschiebungen sein.
Bischof Jeremias sieht das kritisch.

Greifswald/Schwerin (dpa/mv) - Der Bischof im Sprengel Mecklenburg
und Pommern der evangelischen Nordkirche, Tilman Jeremias, hat das
geplante europäische Asylsystem mit Lagern an den EU-Außengrenzen
kritisiert. «Ein System, das Kinder hinter Zäunen festhält,
widerspricht dem Geist dieses Gedenktages und dem Geist der Bibel»,
sagte er am Samstag anlässlich des Gedenktages für die Opfer von
Flucht und Vertreibung laut einer Mitteilung. Wer Flucht und
Vertreibung beklage, dürfe Menschen auf der Flucht nicht entrechten.

Würde der Schutzsuchenden achten

Bischof Jeremias mahnte, die Würde der Schutzsuchenden zu achten und
die Stimmen derer zu hören, die heute - wie einst das Volk Israel -
«auf der Suche nach einem Ort sind, an dem sie leben können». 

Der 2015 eingeführte bundesweite Gedenktag für die Opfer von Flucht
und Vertreibung findet jedes Jahr am 20. Juni statt. Er erinnert an
die Menschen, die infolge von Krieg, Gewalt, politischer Verfolgung
oder ethnischer Vertreibung ihre Heimat verloren haben. 

Deutschland und andere EU-Staaten wollen in Drittstaaten
Rückkehrzentren für abgelehnte Asylbewerber einrichten. In die
sogenannten Return Hubs außerhalb der Europäischen Union sollen
Ausreisepflichtige kommen, die nicht in ihre Herkunftsländer
zurückgebracht werden können - etwa, weil das Heimatland sich
weigert, sie zurückzunehmen.

Dobrindt will noch in diesem Jahr Vereinbarungen treffen

Kürzlich hatte das Europaparlament die rechtliche Grundlage
gebilligt. Es fehlt noch die Zustimmung der EU-Staaten, die als
Formalie gilt. Laut Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU)
sollen noch in diesem Jahr konkrete Vereinbarungen mit Drittstaaten
getroffen werden. 

EU-weit haben 19 der 27 Mitgliedsländer ein Schreiben der dänischen
Ministerpräsidentin Mette Frederiksen und Italiens
Ministerpräsidentin Giorgia Meloni unterzeichnet, in dem sie sich
überzeugt von den sogenannten Drittstaatenlösungen zeigen. 

Ein Nein kommt dagegen von Frankreich. Präsident Emmanuel Macron
sagte zuletzt, er glaube weder, «dass sie effizient sind, noch dass
sie unseren Prinzipien entsprechen».