Russischer Außenminister zieht über EU- und UN-Führung her
23.06.2026 14:40
Diplomatie galt lange als Kunst, schwierige Kompromisse zu finden.
Russlands Außenminister Lawrow legt bei einem Auftritt wenig Wert auf
fremde Befindlichkeiten.
Moskau (dpa) - Russlands Außenminister Sergej Lawrow hat die
EU-Spitze und das UN-Generalsekretariat verspottet. EU-Forderungen
etwa nach einem sofortigen Stopp der Kämpfe noch vor der russischen
Einnahme des gesamten Donbassgebietes ließen an den geistigen
Fähigkeiten der europäischen Führungsriege zweifeln, sagte Lawrow bei
einem Auftritt vor ausländischen Botschaftern der staatlichen
Nachrichtenagentur Tass zufolge. Die Führung des
UN-Generalsekretariats kritisierte er derweil als traurige Gestalten.
Bei der Veranstaltung warf er der Ukraine vor, die Gespräche über ein
Ende des von Kremlchef Wladimir Putin begonnenen Kriegs zu
blockieren. «Wir sind bereit, sie jederzeit an dem Punkt
weiterzuführen, wo sie beendet wurden», sagte Lawrow. Zugleich
erneuerte er die Forderung nach territorialen Zugeständnissen der
Ukraine für einen Frieden. Die von ukrainischen Truppen
kontrollierten Landstriche innerhalb der Region Donezk bezeichnete er
als «illegal zurückbehaltene Territorien».
Rigorose Ablehnung westlicher Vermittler
Westliche Vermittlungsversuche lehnte er ab. Der Westen habe sich vor
langer Zeit schon diskreditiert. Die Ukraine werde mit gestohlenem
russischem Geld aufgerüstet, die Europäer forderten von Russland
Reparationen und planten, Besatzungstruppen in der Ukraine zu
stationieren, behauptete er.
Auch die Vereinten Nationen bekamen rhetorisch ihr Fett weg, obwohl
Russland als ständiges Mitglied des UN-Sicherheitsrats großen
Einfluss dort hat. Alle Schlüsselposten im Generalsekretariat seien
«von Nato- und EU-Mitgliedern privatisiert» worden. Die Lage werde
sich erst mit der Wahl eines neuen UN-Generalsekretärs ändern, meinte
Lawrow. Moskau will bei dieser Wahl seinen Einfluss geltend machen.
So hat Lawrow erst am Montag die aus Ecuador stammende Diplomatin
Maria Espinosa empfangen, die als neue Generalsekretärin kandidieren
will und sich dazu Rückendeckung aus Moskau holte.
