EU-Abgeordnete wollen digitalen Euro
23.06.2026 14:51
Derzeit wird der digitale Zahlungsverkehr in Europa von US-Anbietern
dominiert - das soll sich ändern. Auf dem Weg zum digitalen Euro
wurde nun ein weiterer Schritt getan.
Brüssel (dpa) - Der digitale Euro hat eine wichtige Hürde in Brüssel
genommen. Wirtschafts- und Währungspolitiker des Europaparlaments
sprachen sich klar für die Einführung einer elektronischen Form der
Gemeinschaftswährung aus. So stimmten 43 Abgeordnete bei einer
Abstimmung im Wirtschafts- und Währungsausschuss dafür, 14
Parlamentarier votierten dagegen. Dazu gab es eine Enthaltung, wie
aus einer Mitteilung hervorgeht.
Europäisches Angebot gegen US-Anbieter
Der sogenannte digitale Euro soll das Euro-Bargeld ergänzen, aber
nicht ersetzen. Derzeit dominieren vor allem US-Anbieter wie Paypal,
Mastercard und Visa den Markt für digitale Zahlungen in Europa. Mit
einem digitalen Euro wollen die Euro-Notenbanken ihnen ein
europäisches Angebot entgegensetzen.
Das Zahlungsmittel soll sowohl online als auch offline genutzt werden
können und mit modernen Datenschutztechnologien funktionieren.
Grundlegende Dienstleistungen wie die Kontoeröffnung und die
Verwaltung von Guthaben sollen kostenlos sein. Die meisten
Unternehmen wären nach Willen der Abgeordneten verpflichtet, den
digitalen Euro zu akzeptieren. Ausnahmen sollen es für Selbstständige
sowie kleine und Kleinstunternehmen geben.
Pilotprojekt 2027 angepeilt
Die Abgeordneten wollen sicherstellen, dass die Rolle der
Europäischen Zentralbank (EZB) bei der Verwaltung des digitalen Euros
klar von ihren geldpolitischen Aufgaben getrennt bleibe. Denn die
Einführung eines Regelwerks, der Aufbau der technischen
Infrastruktur, die Durchführung von Praxistests sowie Haftungsfragen
lägen bei der EZB.
Die Euro-Notenbanken tüfteln seit Jahren an einer digitalen Variante
der europäischen Gemeinschaftswährung, und peilen eine Einführung der
Alternative zum Bargeld 2029 an, für 2027 ist der Start eines
Pilotprojekts vorgesehen.
Verhandlungen mit EU-Ländern starten
Dafür muss allerdings der Rechtsrahmen stehen. Mit der Abstimmung im
Ausschuss wurde ein weiterer Schritt getan, jetzt muss noch das
gesamte Parlament grünes Licht geben für die Position, mit der die
Parlamentarier in die Verhandlungen mit den EU-Staaten gehen wollen.
Die Staaten hatten sich bereits im Dezember auf eine Position
verständigt. Die Verhandlungen sollen Mitte Juli starten.
Bundesbank-Präsident Joachim Nagel sagte der Deutschen
Presse-Agentur, heute sei ein guter Tag für die Souveränität Europas.
«Die wichtige Abstimmung im Wirtschafts- und Währungsausschuss des
Europäischen Parlaments (ECON) bringt den digitalen Euro deutlich
voran.»
