Gegen Krebs: EU legt neue Grenzwerte für Arbeiterschutz fest

23.06.2026 23:17

Bei der Herstellung von Batterien für E-Autos und anderen Produkten
haben Arbeiter teils Kontakt zu giftigen und krebserregenden Stoffen.
Jetzt kommen neue Regeln.

Brüssel (dpa) - Arbeitnehmer in der EU sollen künftig besser vor
bestimmten schädlichen Chemikalien geschützt werden. Vertreter von
Europaparlament und Mitgliedstaaten einigten sich am Abend auf neue
Grenzwerte für mehrere Stoffe, die unter anderem in Batterien für
Elektrofahrzeuge vorkommen oder bei der Stahlproduktion entstehen,
wie die derzeitige zyprische Ratspräsidentschaft mitteilte. Dies soll
in den kommenden 40 Jahren rund 1.700 Lungenkrebsfälle sowie 19.000
andere Erkrankungen verhindern. 

Künftig sind zudem Schutzmaßnahmen gegen Schweißrauch verpflichtend.

Dieser kann laut EU-Kommission Chrom-, Nickel- und
Cadmiumverbindungen enthalten, die Krebs auslösen beziehungsweise das
Risiko dafür stark erhöhen können. Insgesamt betreffen die Änderung
en
nach früheren Angaben der EU-Kommission mehr als 2,5 Millionen
Arbeitnehmer in der EU, die den Substanzen ausgesetzt sind.

Kobalt kann krebserregend sein

Mit den neuen Grenzwerten wird festgelegt, wie stark Arbeitnehmer
diesen Stoffen im Laufe von acht Stunden maximal ausgesetzt sein
dürfen. Für Kobalt und seine anorganischen Verbindungen liegt dieser
Grenzwert künftig bei 0,01 Milligramm pro Kubikmeter (mg/m³) für
Partikel, die durch Nase und Mund eingeatmet werden können, und
0,0025 mg/m³ für feinere Partikel, die tiefer in die Lunge gelangen
können. Die Substanzen werden laut EU-Kommission häufig bei der
Herstellung von Batterien insbesondere für Elektrofahrzeuge und bei
Herstellungsverfahren für Magnete und Hartmetalle verwendet. Die
Industrie hat sechs Jahre Zeit für die Anpassung, während dieser
Übergangszeit gelten höhere Grenzwerte.

In hohen Konzentrationen ist Kobalt nach Angaben des Umweltbundesamts
als giftig, krebserregend und erbgutverändernd eingestuft. In der EU
sind nach Angaben der EU-Kommission 113.000 Arbeitnehmer dem Metall
und seinen anorganischen Bestandteilen ausgesetzt.

EU-Kommission: Millionen Menschen betroffen

Mehr als 1,2 Millionen Menschen haben demnach bei der Arbeit Kontakt
zu polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK), vor allem
bei der Stahl-, Eisen- und Aluminiumproduktion. Dafür wird ebenso ein
neuer Grenzwert festgelegt (0,00007 mg/m³) wie für die Substanz
1,4-Dioxan (7,3 mg/m³, wobei über kurze Zeit auch 73 mg/m³ zulässig

sind), die laut Kommission häufig als Lösungsmittel in der chemischen
und textilen Produktion sowie in Haushaltswaschmitteln verwendet
wird. 

Bevor die Änderungen in Kraft treten, müssen die Mitgliedstaaten und
das Parlament die Vereinbarung noch formell bestätigen. Das ist
normalerweise eine Formalie. Nach dem Beschluss sollen die
Mitgliedstaaten zwei Jahre Zeit haben, die Regeln in ihr nationales
Recht umzusetzen.