Katar-Korruptionsskandal: Haftbefehl gegen Ex-EU-Kommissar
24.06.2026 12:26
Belgische Behörden haben einen Haftbefehl gegen den griechischen
Politiker Dimitris Avramopoulos gestellt. Nun fordert er selbst die
Aufhebung seiner Immunität: «Ich habe vor nichts Angst.»
Athen (dpa) - Im Zusammenhang mit dem Katar-Korruptionsskandal im
Europaparlament ist der frühere EU-Kommissar und griechische
Politiker Dimitris Avramopoulos ins Visier der belgischen Justiz
geraten. Der 73-Jährige bestätigte dem griechischen Sender Skai, dass
in Belgien ein Haftbefehl gegen ihn laufe. Die Maßnahme steht demnach
im Zusammenhang mit den laufenden Untersuchungen zum sogenannten
Katargate-Komplex.
Avramopoulus streitet jegliche Verwicklungen ab. Es sei
ausgeschlossen, dass er für Katar Lobbyarbeit betrieben habe, da er
gegen einen entsprechenden Antrag zur Visafreiheit für Katarer
gestimmt habe, sagte Avramopoulos dem Sender.
Belgische Behörden fordern von Athen die Aufhebung der Immunität des
griechischen Parlamentariers, wie griechische Medien berichteten.
Avramopoulos fordert nun selbst die Aufhebung seiner Immunität: «Ich
habe vor nichts Angst.»
Posten im Ehrenbeirat von umstrittener Menschenrechtsorganisation
Von 2014 an war der konservative Politiker Avramopoulos EU-Kommissar
für Migration und Inneres. Seine Amtszeit endete im Dezember 2019.
Ein gutes Jahr später übernahm er einen Posten im Ehrenbeirat der
Menschenrechtsorganisation Fight Impunity und bezog dort nach eigenen
Angaben ein Jahr lang 3.500 Euro monatlich.
Der Korruptionsskandal um Katar erschütterte im Dezember 2022 das
Europaparlament. Wegen möglicher illegaler Einflussnahme Katars auf
Politiker wurden die griechische EU-Parlamentspräsidentin Eva Kaili
und andere Verdächtige festgenommen. Im Zentrum der Ermittlungen
stand auch die NGO Fight Impunity - deren Präsident und ehemalige
italienische EU-Parlamentarier Antonio Panzeri wurde im Dezember 2022
in Belgien verhaftet.
Nach Bekanntwerden der Verwicklung von Panzeri und Fight Impunity
trat Avramopoulos von seinem Posten bei der NGO zurück. Er sei nur
ein Jahr für die NGO im Einsatz gewesen und habe seine Vergütung
dafür in Griechenland versteuert, sagte er dem Sender Skai. Und fügte
hinzu, bei versteuerten Einkünften könne es sich ja wohl kaum um
Schmiergeld handeln.
