EU-Kommission will Bürokratie bei Energie-Labels abbauen
24.06.2026 14:24
Tiefkühltruhe, Tablet, Trockner: Viele Geräte müssen in der EU mit
einem Energieeffizienz-Label ausgezeichnet sein. Das soll nach Willen
der Kommission künftig unbürokratischer passieren können.
Brüssel (dpa) - Um Unternehmen zu entlasten, will die EU-Kommission
Vorschriften für die Kennzeichnung der Energieeffizienz von Geräten
entschlacken. So sollen künftig etwa elektronische Regalanzeigen
Papieretiketten für Produkte ersetzen dürfen, wie aus einem Vorschlag
der Brüsseler Behörde hervorgeht. Für Produkte, die ausschließlich
zwischen Unternehmen gehandelt werden - wie Kühlregale für
Supermärkte oder Verkaufsautomaten - soll ein QR-Code möglich sein.
«Unsere Vorschläge zur Vereinfachung der Vorschriften für
Energieprodukte liefern vernünftige Lösungen, ohne die politischen
Ziele zu untergraben», sagte EU-Wirtschaftskommissar Valdis
Dombrovskis. «Wir bauen Bürokratie ab, ohne Abstriche bei den
Standards zu machen.»
Neue Regeln für Reifen vorgeschlagen
Auch die Kennzeichnung von Reifen soll angefasst werden: Die
Kommission schlägt etwa vor, die Pflicht für Fahrzeughändler
abzuschaffen, beim Verkauf von Neuwagen Reifenlabels auszustellen,
wenn Kundinnen und Kunden in der Praxis ohnehin keine Auswahl
zwischen verschiedenen Reifen angeboten wird.
Die vereinfachten Vorschriften würden die Anforderungen für
Hersteller und Händler erleichtern, gleichzeitig aber sicherstellen,
dass Verbraucherinnen und Verbraucher beim Kauf eines Produkts
weiterhin die notwendigen Informationen erhalten, so die Kommission.
«Dies wird Hersteller und Anbieter dazu anregen, bessere und
energieeffizientere Geräte und Reifen zu entwickeln und auf den Markt
zu bringen.» Kennzeichnungen etwa für Smartphones und Tablets
enthalten zudem Informationen zur Reparierbarkeit und Akkulaufzeit.
DIHK enttäuscht
Nach Berechnungen der Behörde sollen die Maßnahmen Unternehmen und
Marktüberwachungsbehörden in den nächsten zehn Jahren Einsparungen
von bis zu 125 Millionen Euro pro Jahr ermöglichen. Damit will die
Kommission dem übergeordneten EU-Ziel näherkommen, die jährlichen
Verwaltungskosten bis 2029 um 37,5 Milliarden Euro zu senken. Der
Vorschlag muss nun von den EU-Ländern und dem Europaparlament beraten
werden.
Aus Sicht der Deutschen Industrie- und Handelskammer bleibt der
Vorstoß hinter den Erwartungen zurück. «Statt einer umfassenden
Vereinfachung des europäischen Energierechts konzentriert sich der
Vorschlag im Wesentlichen auf Detailregelungen für einzelne
Energieprodukte im Rahmen der Ökodesign-Vorgaben», hieß es. Die
strukturellen Ursachen hoher Energiepreise und wachsender
Bürokratiebelastungen in Europa würden damit weitgehend ausgeblendet.
