Vorbild WM: Abkühlpausen für Arbeitnehmer in EU gefordert

25.06.2026 15:03

Arbeiten bei mehr als 30 Grad, vielleicht sogar körperlich? Das ist
nicht nur anstrengend, sondern kann auch gefährlich werden.
Gewerkschaften setzen sich für mehr Schutz ein.

Brüssel (dpa) - Gewerkschaftsverbände fordern verbindliche
Hitzeschutzmaßnahmen für alle Arbeitnehmer in der EU. Als Vorbild
nannte der Europäische Gewerkschaftsbund in einer Pressemitteilung
die Abkühlpausen der Fußball-Weltmeisterschaft, die dort aufgrund der
hohen Temperaturen eingeführt wurden. Die Pausen dort sind allerdings
kurz - gerade einmal drei Minuten. 

Esther Lynch vom Europäischen Gewerkschaftsbund findet: «Bauarbeiter,
Obstpflücker oder Busfahrer benötigen deutlich mehr als drei Minuten,
um sich zu erholen.»

Mehrere Gewerkschaftsverbände sprachen sich für neue EU-Vorgaben für

die Rechte von Arbeitnehmern bei Hitze aus. Konkret wollen die
Verbände etwa Temperaturobergrenzen bei der Arbeit, Regelungen für
Ruhe- und Arbeitsphasen, einschließlich bezahlter Pausen, Zugang zu
Schatten, Wasser und Kühlung sowie angepasste Arbeitszeiten bei
großer Hitze. Außerdem fordern sie Schutz für Arbeitnehmer in
besonders gefährdeten Branchen wie Bau, Landwirtschaft oder
Gastronomie. 

Immer wieder Hitze-Tote

Der Europäische Gewerkschaftsbund bemängelte, dass Arbeitgeber nicht
genug für den Schutz der Angestellten bei Hitze tun würden, und
verwies auf eine Reihe von hitzebedingten Todesfällen im
Arbeitskontext im Sommer 2025. 

Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnte angesichts der
aktuellen Hitzewelle vor der tödlichen Gefahr von hohen Temperaturen.
Rund eine halbe Million Menschen würden jährlich weltweit an
Hitzefolgen sterben, viele dieser Todesfälle seien vermeidbar, sagte
der WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus am Mittwoch bei einer
Pressekonferenz in Genf. Er verwies darauf, dass Arbeiter und sozial
benachteiligte Menschen zu Risikogruppen gehörten. 

Kommission will Hitzeschutz in Verordnung aufnehmen

Eine Sprecherin der EU-Kommission sagte in Brüssel, man nehme die
Risiken von hohen Temperaturen am Arbeitsplatz sehr ernst. Die EU
prüfe bereits, wie Arbeitnehmer am besten vor Risiken geschützt
werden können, die durch Hitzewellen, den Klimawandel und die
Situation entstünden, «mit der wir derzeit in vielen Teilen Europas
konfrontiert sind».

Extremwetterlagen durch Klimawandel keine Ausnahme mehr

Extreme Wetterereignisse seien mittlerweile europaweit eine Realität
am Arbeitsplatz und bergen Arbeitsrisiken, teilte Tom Deleu von der
Europäischen Föderation für Bau- und Holzarbeiter mit. «Der
Klimawandel ist eine der entscheidenden Herausforderungen unserer
Zeit, doch die Arbeitnehmer werden nach wie vor ohne klare und
durchsetzbare Schutzmaßnahmen in immer extremere Wetterbedingungen
geschickt.» Deleu forderte: «Wenn die Anpassung an den Klimawandel
ernst genommen wird, muss sie auch den Arbeitsplatz einbeziehen.»