EU-Kommission leitet Kartelluntersuchung gegen Sanofi ein

26.06.2026 12:59

Hat der Pharmakonzern Sanofi im Geschäft mit Grippeimpfstoffen
wettbewerbswidrige Praktiken eingesetzt? Die Europäische Kommission
prüft.

Brüssel (dpa) - Die Europäische Kommission prüft, ob der
Pharmakonzern Sanofi mit einer Kampagne gegen einen Impfstoff der
Konkurrenz gegen europäisches Kartellrecht verstoßen hat. Die
Wettbewerbshüter gehen der Frage nach, ob das französische
Unternehmen den eigenen Grippeimpfstoff mit falschen oder
irreführenden Behauptungen als der Konkurrenz überlegen dargestellt
und dabei seine Marktmacht ausgenutzt hat. Sanofi weist die Vorwürfe
zurück.

Sanofi bietet nach Angaben der EU-Kommission unter dem Markennamen
«Efluelda» einen verstärkten Grippeimpfstoff an, der speziell
entwickelt worden sei, um Menschen über 60 Jahren einen besseren
Schutz vor Influenza zu bieten. Das Produkt konkurriere mit dem
verstärkten Grippeimpfstoff, den das Unternehmen CSL Seqirus unter
dem Markennamen «Fluad» vertreibe.

Bedenken zu Kampagne gegen Impfstoff des Konkurrenten

Die Kommission hat Bedenken, dass Sanofi eine irreführende
Kommunikationskampagne durchgeführt hat, die sich vor allem an
medizinisches Fachpersonal in Deutschland und Frankreich gerichtet
habe.

Darin sei behauptet worden, dass die Evidenzgrundlage für «Fluad»
schwächer sei als die für «Efluelda». Dies widerspreche den
Erkenntnissen sowohl der nationalen Impfkommissionen in Deutschland
und Frankreich als auch des Europäischen Zentrums für die Prävention

und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC). In Deutschland sei auch
behauptet worden, es gebe noch ungelöste wissenschaftliche Einwände
medizinischer Fachgesellschaften gegen eine nationale Impfempfehlung
für das Konkurrenzprodukt. 

«Grippeimpfstoffe tragen jedes Jahr zum Schutz Zehntausender
Europäerinnen und Europäer bei», teilte EU-Wettbewerbskommissarin
Teresa Ribera mit. Die informierte Entscheidungsfindung der
Verbraucher dürfe nicht unangemessen beeinträchtigt werden.

Hat Sanofi seine Marktstellung missbraucht?

Die Brüsseler Behörde prüft nun, ob das Unternehmen mit Hauptsitz in

Paris seine Marktstellung missbraucht hat. Für die Untersuchung gibt
es keine gesetzliche Frist. Parallel hat die Kommission in einer
vorläufigen Beurteilung ihre wettbewerbsrechtlichen Bedenken
dargelegt. Sanofi kann darauf mit Verpflichtungen reagieren.

Ein Sprecher des Unternehmens teilte mit, Sanofi sei davon überzeugt,
stets im Einklang mit allen geltenden Gesetzen und Vorschriften
gehandelt zu haben und werde dies auch weiterhin tun. Das Unternehmen
nehme die Angelegenheit sehr ernst und kooperiere im gesamten
Verfahren vollumfänglich mit der Europäischen Kommission. Diese hatte
wegen des Verdachts im vergangenen September Räumlichkeiten des
Konzerns in Deutschland und Frankreich durchsucht.