EU: Namen wie «Seitan-Steak» und «Veggie-Hühnchen» tabu
29.06.2026 14:27
Im Supermarkt greifen viele Menschen zu veganen oder vegetarischen
Produkten. Bald müssen sie sich an neue Namen gewöhnen: Bestimmte
Begriffe, die an Tiere denken lassen, sind dann nicht mehr erlaubt.
Luxemburg (dpa) - Pflanzliche Fleischalternativen dürfen künftig in
der EU nicht mehr mit Begriffen wie «Steak», «Schnitzel» oder «Wu
rst»
beworben werden. Das beschlossen die EU-Staaten in Luxemburg
endgültig und folgten damit einer Einigung mit Vertretern des
Europäischen Parlaments. Hersteller und Händler haben drei Jahre
Zeit, bis die neuen Regeln angewendet werden und sie ihre Produkte
umbenennen müssen. Das soll ihnen Zeit geben, ihre
Vermarktungsstrategien anzupassen. Bereits hergestellte Produkte
dürfen in diesem Zeitraum zudem abverkauft werden.
Bislang dürfen typische Bezeichnungen für Fleischprodukte auch für
pflanzliche Alternativen verwendet werden. Dies soll auch weiter
grundsätzlich möglich sein. Tabu sind dann künftig aber
Bezeichnungen, die sich auf Tier- bzw. Fleischarten und einzelne
Teilstücke («Cuts») beziehen: zum Beispiel Geflügel, Rindfleisch,
Rippchen, Schulter, Leber, Kotelett oder Speck. Sie dürfen auch nicht
für im Labor gezüchtete oder zellbasierte Produkte verwendet werden.
Fleisch wird in dem Text als «genießbare Teile von Tieren»
definiert.
Name «Veggie-Burger» sollte weg
Abgeordnete des Europaparlaments hatten im vergangenen Jahr ein
Verbot von Begriffen wie «Tofu-Wurst», «Soja-Schnitzel» oder
«Veggie-Burger» für vegetarische Produkte ins Spiel gebracht. Konkret
sollten demnach Begriffe wie «Steak», «Schnitzel», «Burger» und
«Wurst» nur noch für Tierprodukte verwendet werden dürfen. Sie
begründeten dies mit dem Schutz von Verbrauchern und Landwirten.
Unter anderem in Deutschland wurde der Vorschlag stark kritisiert,
auch von Bundesernährungsminister Alois Rainer. Auch die nun
abgeschwächte Liste mit Begriffen, die künftig Fleischprodukten
vorbehalten sind, sah er im März kritisch. Sie bedeute für die
Branche unnötigen Mehraufwand, sagte der CSU-Politiker der Deutschen
Presse-Agentur. «Die Verbraucher sind schlau und mündig. Sie wissen
längst, dass im Veggie-Schnitzel kein Fleisch ist», sagte Rainer. Bei
der endgültigen Abstimmung im Rat enthielt sich Deutschland.
Viele Menschen in Deutschland essen die Produkte
Pflanzliche Fleischalternativen gehören in vielen Haushalten in
Deutschland inzwischen fest zum Speiseplan. Das zeigt die neue
Nachhaltigkeitsstudie des Marktforschers YouGov im Auftrag des
Handelskonzerns Rewe. Vor allem junge Menschen greifen danach.
Studienautor Robert Kecskes rechnet damit, dass die Produkte weiter
an Bedeutung gewinnen und sich im Mainstream etablieren. Häufig steht
hinter dem Kauf der Wunsch, den Fleischkonsum zu verringern.
Bis 2022 stieg laut YouGov die Zahl der Haushalte deutlich, die sich
um eine vegane Ernährung bemühen. Anschließend schwächte sich die
Dynamik ab. Kecskes führt das unter anderem auf den Begriff «Ersatz»,
fehlendes Vertrauen in das Versprechen «Gesundheit» und die
angestrebte Geschmacksparität zurück. Wichtigste Käufergruppe sind
laut Studie Flexitarier - also Menschen, die nicht ganz auf Fleisch
verzichten wollen. Langfristige Veganer hätten hingegen häufig kein
Verlangen mehr nach Fleischgeschmack und benötigten weniger
Ersatzprodukte.
