Piloten: Ryanair versucht Einschüchterung während Tarifverhandlung

29.06.2026 15:57

Die Pilotengewerkschaft wirft dem Billigflieger Ryanair vor,
Mitglieder der Tarifkommission gezielt unter Druck zu setzen. Ein
Abschluss scheint in weiter Ferne zu liegen.

Frankfurt/Dublin (dpa) - Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit
hat der Fluggesellschaft Ryanair unfaire Methoden während laufender
Tarifverhandlungen vorgeworfen. Einzelne Mitglieder der
Verhandlungskommission sowie weitere gewerkschaftsnahe Beschäftigte
seien mit Disziplinarmaßnahmen konfrontiert worden, erklärte die
Gewerkschaft in Frankfurt. Daher habe man gemeinsam mit anderen
europäischen Pilotenvertretungen dem Management das Misstrauen
ausgesprochen.

«Die Vereinigung Cockpit lässt die Verhandlungen inzwischen durch
professionelle Verhandlungsführer und juristische Berater begleiten»,
erklärt VC-Präsident Andreas Pinheiro. Dies sei eine notwendige
Reaktion auf die persönliche Belastung der betroffenen
Beschäftigten. 

Das Unternehmen wies die Vorwürfe zurück. Zu Einzelfällen werde man
sich nicht äußern, erklärte eine Sprecherin. Zuletzt hatte die
irische Fluggesellschaft bekanntgegeben, seine Basis in Berlin zum
Herbst zu schließen und das Flugangebot deutlich zu reduzieren. Die
VC sieht darin eine Strafkation, nachdem dort Widerstand gegen neue
Arbeitszeitregelungen sichtbar wurde. 

Letzter Abschluss im Jahr 2018

Laut VC stocken die Tarifverhandlungen für die deutschen Piloten des
größten europäischen Billigfliegers. Mehrfach habe man konstruktive
Vorschläge eingebracht, die zurückgewiesen worden seien. Die
Gewerkschaft verlangt einen Inflationsausgleich für die Jahre seit
dem letzten Abschluss aus dem Jahr 2018 sowie Gehaltssteigerungen für
die beiden kommenden Jahre. 

Der Mitteilung zufolge starten auch in weiteren europäischen Ländern
demnächst Tarifverhandlungen. Ryanair verwies auf neue
Fünfjahresverträge in Italien, Rumänien und Dänemark. Die
Pilotenvereinigungen aus elf Ländern stimmen sich in Ryanair
Transnational Pilot Group ab.