Ministerium genehmigt Übernahme von MediaMarktSaturn
29.06.2026 16:06
Der chinesische Handelskonzern JD.com will sich MediaMarktSaturn
sichern. Das Bundeswirtschaftsministerium erteilt die Freigabe unter
Auflagen. Aber die endgültige Entscheidung steht noch aus.
Berlin/Düsseldorf (dpa) - Das Bundeswirtschaftsministerium hat grünes
Licht gegeben für die Übernahme von Europas größtem
Elektronik-Fachhändler MediaMarktSaturn durch den chinesischen
Konzern JD.com - allerdings nur unter Auflagen. Das teilte die
Behörde der Deutschen Presse-Agentur mit.
Die Auflagen sollen demnach gewährleisten, dass die personenbezogenen
Daten der Kunden in Deutschland geschützt bleiben. Zudem räumten sie
der Bundesregierung starke Überwachungs- und Kontrollrechte ein und
ermöglichten ihr, die Genehmigung im Fall von Verstößen zu
widerrufen, hieß es in einer Mitteilung. Im Investitionsprüfverfahren
wurde untersucht, ob die Übernahme die öffentliche Ordnung oder
Sicherheit der Bundesrepublik beeinträchtigt.
JD.com teilte mit: «Wir begrüßen die außenwirtschaftsrechtliche
Freigabe durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie.» Das
Unternehmen rechnet mit einer Gesamt-Freigabe in der zweiten
Jahreshälfte.
EU-Kommission prüft Marktverzerrung
Besiegelt ist die Übernahme noch nicht. Die Europäische Kommission
äußerte nach einer ersten Untersuchung «vorläufige Bedenken» und
prüft den Fall nun genauer. «Die vorläufige Untersuchung deutet
darauf hin, dass JD.com möglicherweise ausländische Subventionen
erhalten hat, die den EU-Binnenmarkt verzerren», teilte die Brüsseler
Behörde Ende Mai mit.
Chinesische Subventionen könnten es JD.com ermöglicht haben, ein
höheres Übernahmeangebot für Ceconomy, die MediaMarkt- und
Saturn-Mutter, abzugeben. Dies könnte den Prozess verzerrt haben. Die
Kommission will außerdem prüfen, ob die Übernahme den Wettbewerb im
europäischen Binnenmarkt verzerren würde. Nach EU-Recht hat sie bis
zum 2. Oktober Zeit für eine endgültige Entscheidung. Die Zustimmung
der Kommission ist eine der Voraussetzungen für einen
Eigentümerwechsel.
Behörden prüfen nach Kartellrecht und Sicherheit
JD.com hatte im vergangenen Sommer ein Übernahmeangebot abgegeben und
sich wenige Monate später die Mehrheit der Ceconomy-Aktien gesichert.
Behörden in mehreren Ländern prüfen die Übernahme. Je nach national
en
Anforderungen wird die Transaktion kartellrechtlich geprüft. In
anderen Ländern wird untersucht, ob der Einstieg eines ausländischen
Investors sicherheits- oder ordnungspolitisch unbedenklich ist.
Frankreich, Italien und Deutschland haben bereits grünes Licht für
die Übernahme gegeben. Die Entscheidungen aus Spanien und Österreich
stehen noch aus. Das Bundeskartellamt hatte den Erwerb bereits im
vergangenen September freigegeben. Es gebe keine
wettbewerbsrechtlichen Bedenken, da JD.com bislang nur in sehr
geringem Umfang in Deutschland aktiv sei.
Einer der größten Handelskonzerne weltweit
MediaMarktSaturn ist Europas größter Elektronik-Fachhändler und nach
Amazon, Otto und Zalando viertgrößter Onlineshop in Deutschland. Das
Handelsunternehmen Ceconomy, zu dem die MediaMarktSaturn Retail Group
heute zählt, entstand 2017 als Abspaltung von Metro.
JD.com ist mit einem Jahresumsatz von knapp 159 Milliarden US-Dollar
(2024) laut dem Forschungsinstitut EHI größter chinesischer
Handelskonzern und zählt auch weltweit zu den zehn größten. Die
Gruppe, die etwa 570.000 Beschäftigte hat, ist unter anderem auch in
den Bereichen Technologie, Logistik und Gesundheit tätig. In
Deutschland ist das Engagement bislang überschaubar. Im März dieses
Jahres startete JD.com den Onlineshop Joybuy.
Ceconomy ist laut Geschäftsbericht mit mehr als 1.000 Märkten in elf
europäischen Ländern aktiv, rund 400 davon hierzulande. Filialen der
Kette Saturn gibt es nur noch in Deutschland. Im Ende September
abgelaufenen Geschäftsjahr machte das Unternehmen einen Umsatz von
23,1 Milliarden Euro. Weltweit beschäftigte der Konzern im Jahr 2024
rund 50.000 Menschen, davon knapp 20.000 in Deutschland.
Die erste Saturn-Filiale wurde 1961 in Köln eröffnet, der erste
MediaMarkt 1979 in München. Die Einzelhandelskette übernahm den
Wettbewerber Saturn 1990. Einige Jahre später besaß die Metro AG die
Mehrheit an beiden Marken.
