Staatsbahn bevorzugt? EU-Kommission kritisiert Niederlande
29.06.2026 17:48
Die EU-Kommission sieht Hinweise, dass die Niederlande ihrer
Staatsbahn bei überlasteten Gleisen den Vorrang geben. Sie fordert
mehr Fairness für andere Bahnunternehmen.
Brüssel (dpa) - Die Niederlande bevorzugen bei ausgelasteten Gleisen
aus Sicht der EU-Kommission möglicherweise unzulässig ihre staatliche
Eisenbahngesellschaft. Damit verstoße das Land potenziell gegen
europäisches Kartellrecht, teilte die Behörde in Brüssel mit. Sie
forderte die Niederlande auf, den Wettbewerb zu verbessern.
Die Niederländischen Eisenbahnen (nach den niederländischen
Initialen: NS) sind demnach zu 100 Prozent im Staatsbesitz und das
größte Personenverkehrsunternehmen in dem westlichen Nachbarland
Deutschlands. Eine Tochtergesellschaft, NS International, bietet
internationale Zugverbindungen an, etwa in die Bundesrepublik, unter
anderem in Zusammenarbeit mit der DB.
Vorwurf: Nationale Regeln geben Staatsbahn den Vorrang
Die Niederlande müssen seit 2025 auch anderen Eisenbahnunternehmen
ermöglichen, auf den Hauptstrecken des inländischen Schienennetzes
Verbindungen für Passagiere anzubieten, hieß es zur Erklärung.
Nationale Regeln geben demnach aber der staatlichen Bahngesellschaft
Vorrang, falls nicht alle Anträge auf Zugtrassen erfüllt werden
können. Das könnte der vorläufigen Prüfung zufolge den Wettbewerb i
m
internationalen Verkehr verzerren und damit gegen EU-Recht
verstoßen.
Die Niederlande haben nun zwei Monate Zeit, darauf zu reagieren.
Sollte die EU-Kommission nach der Prüfung ausreichende Anhaltspunkte
für einen Verstoß sehen, kann sie den Staat auffordern, die Bedenken
auszuräumen. Es gibt keine Frist, bis wann die Untersuchung
abgeschlossen sein muss.
