Brüssel prüft US-Zahntechnik-Unternehmen kartellrechtlich

30.06.2026 15:50

Durchsichtige Schienen helfen dabei, Zahnlücken zu schließen oder
schiefe Zähne gerade zu drehen. Hat der Marktführer aus den USA gegen
europäisches Wettbewerbsrecht verstoßen?

Brüssel (dpa) - Die EU-Kommission verdächtigt das
Medizintechnikunternehmen Align Technology, seine Stellung als
Marktführer bei transparenten Zahnkorrekturschienen ausgenutzt zu
haben. Die Brüsseler Wettbewerbshüter prüfen, ob das Unternehmen mit

Sitz in den USA gegen EU-Regeln verstoßen hat. Align Technology
könnte demnach Zahnärztinnen und Zahnärzte faktisch gezwungen haben,

einen bestimmten Scanner zu kaufen, wenn sie durchsichtige Schienen
der Marke Invisalign für ihre Patientinnen und Patienten bestellen
wollten.

Dabei geht es laut der Behörde um individuell angefertigte,
herausnehmbare Zahnschienen aus transparentem Kunststoff zur
Behandlung von Zahnfehlstellungen. Zunächst habe Invisalign aufgrund
des Patentschutzes eine nahezu monopolartige Stellung gehabt. 

Eigenes Produkt als Voraussetzung für Bestellung 

Align Technology vertreibt den Angaben nach außerdem Handgeräte unter
der Marke iTero, die Zahnärztinnen verwenden, um digitale 3D-Scans
der Zähne und Kiefer ihrer Patienten zu erstellen. Zahnärzte brauchen
sie unter anderem, um dann transparente Zahnkorrekturschienen zu
bestellen. 

Align Technology habe sich geweigert, Scans zur Bestellung von
Invisalign zuzulassen, die mit anderen Geräten erstellt wurden,
obwohl diese auf branchenüblichen Standarddateien basierten, hält die
EU-Kommission in einer Mitteilung fest. Ein Konkurrent beschwerte
sich. 

Verfahren eingeleitet

Die EU-Kommission prüft den Fall nun eingehend. Sie betonte, dass die
Einleitung eines förmlichen Untersuchungsverfahrens noch keinen
Ausgang vorwegnehme. Es gibt keine gesetzliche Frist, bis wann ein
Kartellverfahren abgeschlossen sein muss.

EU-Wettbewerbskommissarin Teresa Ribera betonte in einer Mitteilung
die Bedeutung der Medizinprodukte. «Transparente
Zahnkorrekturschienen haben die kieferorthopädische Versorgung für
Millionen Europäerinnen und Europäer verändert und bieten
Patientinnen und Patienten aller Altersgruppen eine unauffällige und
innovative Behandlungsmöglichkeit.»