EU-Außenbeauftragte Kallas zu Gesprächen in Ankara

30.06.2026 17:11

Kurz vor dem Nato-Gipfel besucht Kallas den türkischen Präsidenten
Erdogan. Menschenrechtler kritisieren, dass die EU über Partnerschaft
und Sicherheit spricht, während Proteste verboten werden.

Ankara (dpa) - In der Türkei hat sich die EU-Außenbeauftragte Kaja
Kallas mit Präsident Recep Tayyip Erdogan getroffen und über eine
mögliche Stärkung der EU-Türkei-Beziehungen beraten. Kallas schrieb
im Anschluss an das Treffen, das unter Ausschluss der Presse
stattfand, auf X, die Türkei sei ein wichtiger Partner in den
Bereichen Sicherheit, Migration und Energie sowie ein
EU-Beitrittskandidat. Mit dem türkischen Präsidenten habe sie über
den Krieg Russlands gegen die Ukraine, die Konflikte im Nahen Osten
und die Vorbereitungen für den Nato-Gipfel in Ankara gesprochen. Die
Türkei leiste einen bedeutenden Beitrag zum Schutz der Ostflanke der
Nato, schrieb Kallas. 

Begleitet wurde sie von der EU-Kommissarin für Erweiterung, Marta
Kos, und dem EU-Kommissar für Inneres und Migration, Magnus Brunner.
Wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu mitteilte, nahm an dem
Empfang auch Außenminister Hakan Fidan teil. 

Kritik am Treffen von Menschenrechtlern 

Das Treffen fand einige Tage vor dem Nato-Gipfel statt, der am 7. und
8. Juli in Ankara abgehalten wird. Im Vorfeld kam es zu zahlreichen
Verhaftungen, in der türkischen Hauptstadt gilt seit Sonntag ein
weitreichendes Demonstrationsverbot. 

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International kritisierte,
dass das Treffen der EU-Vertreter zu einem Zeitpunkt stattfinde, in
der die türkischen Behörden Proteste verbieten und die Medienfreiheit
einschränken würden. «Wirtschaftspartnerschaften, bei denen
Menschenrechte geopfert werden, können keine Antwort auf die
geopolitischen Probleme unserer Zeit bieten», schrieb Amnesty Türkei
auf X. Sie forderten die EU-Vertreter dazu auf, sich für die
sofortige Freilassung aller willkürlich festgenommenen Personen
einzusetzen. 

Sowohl aus EU-Kreisen als auch seitens der Türkei hieß es vor dem
Treffen, der Besuch solle zur Stärkung der Beziehungen zwischen der
Türkei und der EU beitragen. Seit 2018 sind die
EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei de facto eingefroren. Die
Türkei hatte sich in zentralen Bereichen der Kopenhagener Kriterien
wie Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte von den
Beitrittsvoraussetzungen entfernt.