Inflationsrate in Eurozone sinkt auf 2,8 Prozent
01.07.2026 12:42
Die Preise steigen nicht mehr so schnell, doch die Zwei-Prozent-Marke
bleibt fern. Damit sinkt der Druck auf die EZB. Warum Experten
trotzdem überrascht sind.
Luxemburg (dpa) - Die Inflation in der Eurozone hat sich im Juni
stärker als erwartet abgeschwächt. Im Jahresvergleich stiegen die
Verbraucherpreise um 2,8 Prozent, wie das Statistikamt Eurostat in
Luxemburg nach einer ersten Schätzung mitteilte. Volkswirte hatten
einen Rückgang auf 3,0 Prozent erwartet. Noch im Mai hatte die
Inflation im Euroraum bei 3,2 Prozent gelegen.
Die Europäischen Zentralbank strebt mittelfristig eine Jahresteuerung
von zwei Prozent an. Der Iran-Krieg hatte die Inflation in den
vorangegangenen Monaten deutlich nach oben getrieben und die
Notenbank in Zugzwang gebracht.
Mit Hoffnung auf Frieden im Nahen Osten sind die Ölpreise wieder auf
Vorkriegsniveau gefallen. Im Juni schwächte sich damit der Anstieg
der Energiepreise auf 8,7 Prozent ab, nachdem die Rate im Vormonat
noch bei 10,8 Prozent gelegen hatte. Im Vergleich zu Mai fiel das
Preisniveau im Juni insgesamt um 0,1 Prozent.
«Wahrscheinlichkeit eines weiteren EZB-Zinsschritts sinkt»
«Die Inflation in der Eurozone sinkt und zwar deutlich», schrieb
Stephanie Schoenwald, Ökonomin bei KfW Research. «Bleibt die Lage im
Nahen Osten stabil, liegt der Höhepunkt des energiegetriebenen
Preisschubs hinter uns. Die Wahrscheinlichkeit eines weiteren
Zinsschritts der EZB sinkt damit.» Beim nächsten Zinsentscheid Ende
Juli dürften die Leitzinsen unverändert bleiben.
Die EZB will eine neue Preiswelle im Euroraum unbedingt vermeiden.
Sie hatte die Leitzinsen im Juni erstmals seit fast drei Jahren
erhöht. Nach Ansicht von Bundesbankpräsident Joachim Nagel sollte die
EZB Kurs halten trotz des Ölpreisrückgangs. «Die Inflation ist immer
noch zu hoch», sagte Nagel der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung».
