Nach Treffen mit Reiche: China mahnt Deutschland zu Fairness

02.07.2026 12:30

Chinas Handelsminister trifft in Brüssel Bundeswirtschaftsministerin
Reiche und EU-Kommissar Sefcovic. Es geht um fairen Handel. Von
Deutschland erhofft sich Peking eine bestimmte Rolle in der EU.

Peking (dpa) - Vor dem Hintergrund wachsender Handelsspannungen hat
China Deutschland nach dem Treffen zwischen
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche und Handelsminister Wang
Wentao zur Fairness gemahnt. Angesichts des zunehmenden
Protektionismus sollten Deutschland und China freien Handel
unterstützen, den gegenseitigen Marktzugang ausweiten und ein faires,
offenes und diskriminierungsfreies Geschäftsklima für die
Zusammenarbeit zwischen Unternehmen schaffen, sagte der Sprecher des
Handelsministeriums, He Yadong, in Peking. 

Wang hatte am Sonntag in Brüssel mit der CDU-Politikerin gesprochen
gefolgt von einem Treffen mit EU-Handelskommissar Maros Sefcovic am
Montag. Darin ging es um Chinas Exportkontrollen auf seltene Erden
und daraus gefertigte Magnete sowie die Fortsetzung
handelspolitischer Gespräche. 

Reiche will Ausschuss mit China

Beim Treffen mit Reiche hatte Wang laut Handelsministerium erklärt,
China hoffe auf eine aktive Rolle Deutschlands in der EU, um Brüssel
zu einer «rationalen Haltung» in der Handelspolitik mit China zu
bewegen. Nach Reiches Antrittsbesuch Ende Mai in Peking einigten sich
Deutschland und China demnach, möglichst bald einen gemeinsamen
Wirtschaftsausschuss wieder ins Leben zu rufen. 

Laut Sefcovic hatte ihm Wang zugesichert, dass die bestehenden
Exportkontrollen die Lieferketten der EU nicht beeinträchtigen
würden. Was dies genau umfasst, erklärte Behördensprecher He auf
Nachfrage nicht. Beide Seiten begannen zudem neue Handels- und
Investitionskonsultationen, um Handelskonflikte zu entschärfen.  

Experte: EU-Mitglieder an Umkehrpunkt

Die EU hat mit China wegen der hohen chinesischen Exporte nach Europa
ein enormes Handelsdefizit. Laut Sefcovic schrumpft parallel der
Marktanteil europäischer Firmen in China. In der EU wurden zuletzt
unter anderem neue Zusatzzölle auf Importe aus China erwogen, sollte
es in den Handelskonflikten zu keiner Annäherung kommen.

«Angesichts der Bedrohung für die europäische Industrie scheint unter

europäischen Staats- und Regierungschefs das Gefühl der Dringlichkeit
einen Umkehrpunkt erreicht zu haben», sagte China-Analyst Gabriel
Wildau von der Beratung Teneo. Mittlerweile ist ihm zufolge klar,
dass Peking nicht die Absicht hat, einseitig gegen das vorzugehen,
was Brüssel als grassierende industrielle Überkapazitäten ansieht.

Die EU-Gespräche fielen zudem mitten in eine enorme Hitzewelle in
Europa, die die Nachfrage nach Klimaanlagen ankurbelte und erneut
Abhängigkeiten von China zeigte. In der Branche sind chinesische
Konzerne wie der Haushaltswarenhersteller Midea stark vertreten. Mit
mehr als 200.000 Split-Geräten habe sich der Absatz in diesem Jahr
gemessen am Vorjahreszeitraum verdoppelt, sagte Mideas Europachef für
Klimaanlangen, Xiong Xueqin, chinesischen Medien.