Bund jetzt bei drei von vier Netzbetreibern im Boot

03.07.2026 16:31

Mehr als 14.000 Kilometer Stromautobahn, Milliardeninvestitionen und
neue Eigentümer: Der Bund und drei internationale Investoren wollen
das Tennet-Übertragungsnetz fit für die Energiewende machen.

Bayreuth/Berlin (dpa) - Deutschland ist jetzt Miteigentümer des
Übertragungsnetzbetreibers Tennet Germany. Über die staatliche
Förderbank KfW hat der Bund 25,1 Prozent des früheren
niederländischen Staatsunternehmens übernommen, wie das
Bundeswirtschaftsministerium in Berlin mitteilte. Tennet betreibt mit
mehr als 14.000 Trassenkilometern das größte deutsche
Stromübertragungsnetz. Es reicht von Schleswig-Holstein bis nach
Bayern.

Über die KfW ist der Bund bereits an zwei Übertragungsnetzbetreibern
beteiligt, nämlich 50Hertz in Mittel- und Ostdeutschland (20 Prozent)
und TransnetBW in Baden-Württemberg (24,95 Prozent). Am vierten
Netzbetreiber Amprion hält kein Staatsunternehmen Anteile.

Stromautobahnen transportieren Strom mit Höchstspannung 

Die vier Unternehmen sind für die sogenannten Stromautobahnen
zuständig, die Strom über große Entfernungen transportieren. Durch
die Leitungen fließt der Strom mit Höchstspannung, also 220.000 oder
380.000 Volt. Vor allem, um mehr Windstrom vom Norden in den Süden zu
bringen, wird derzeit das Übertragungsnetz stark ausgebaut. Dies
kostet viele Milliarden Euro.

Vom Übertragungsnetz ist das viel dichtere Verteilnetz zu
unterscheiden, das alle niedrigeren Spannungsebenen umfasst. In
Deutschland gibt es 866 Verteilnetzbetreiber.

Andere Investoren wollen 46 Prozent übernehmen

Bereits Ende Juni hatten laut Ministerium die drei anderen Investoren
aus Norwegen, den Niederlanden und Singapur ihre Transaktion
abgeschlossen. Ihr Anteil soll bis 2029 auf insgesamt 46 Prozent
ansteigen. Der übrige Anteil verbleibt bei der niederländischen
Tennet Holding.

«Mit dem Transaktionsvollzug sichern wir den Ausbau des
Stromübertragungsnetzes als kritische Infrastruktur ab und stärken
den Wirtschaftsstandort Deutschland», erklärte
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU). Dass neben der
KfW auch drei private Investoren Anteile an Tennet Germany erwerben,
sei Ausdruck der Attraktivität Deutschlands als Investitionsstandort.
«Mit dieser Eigentümerstruktur ist Tennet für die Zukunft gut
aufgestellt.»

Der Vertrag über den Einstieg der KfW bei Tennet war Anfang Februar
unterzeichnet worden. Danach mussten noch die EU-Kommission und die
Bundesnetzagentur den Einstieg genehmigen.