Fall Balogun: Politiker der EU und Belgiens kritisieren FIFA

06.07.2026 14:09

Diskussionen mit dem Schiedsrichter sind oft zwecklos, aber gilt das
auch für einen Anruf des US-Präsidenten bei der FIFA? Am mutmaßlichen

Vorgehen Trumps gibt es sogar Kritik aus der EU-Kommission.

Brüssel (dpa) - Die ausgesetzte Rot-Sperre des US-Nationalstürmers
Folarin Balogun sorgt auch auf EU-Ebene für Kritik. «Entscheidungen
über sportliche Regeln und sportliche Angelegenheiten obliegen den
Sportverbänden, nicht den Politikern», schrieb der EU-Kommissar für
Sport, Glenn Micallef, in den sozialen Netzwerken. 

Der Fußball-Weltverband FIFA hatte die Rot-Sperre von US-Torjäger
Balogun aufgehoben. Damit ist der Stürmer nach derzeitigem Stand für
das Achtelfinale der USA gegen Belgien am Dienstag (2.00 Uhr/MESZ)
spielberechtigt. Laut übereinstimmenden Medienberichten soll
US-Präsident Donald Trump bei FIFA-Boss Gianni Infantino angerufen
und Druck ausgeübt haben, die Sperre zu überprüfen. 

EU-Kommissar Micallef schrieb: «Eine Beeinflussung sportlicher
Entscheidungen würde die Autonomie des Sports untergraben.» Als Fan
halte er die Entscheidung für falsch. 

Belgischer Außenminister: unverständliche Entscheidung 

Auch in der belgischen Politik hält die Empörung über die ausgesetzte

Rot-Sperre des US-Torjägers an. Belgiens Außenminister Maxime Prévot

sprach gegenüber «Politico» in einem Statement von einer
Entscheidung, die «zweifellos viele Fragen aufwirft». Das belgische
Regierungsmitglied sagte demnach weiter: Sollte ein Telefonanruf
ursächlich für die Entscheidung gewesen sein, entspräche dies der
Untergrabung der grundlegendsten Regeln des Fußballs und des Sports.
Ebenso würde der Vorgang die Fähigkeit der FIFA infrage stellen,
glaubwürdig Fair Play zu unterstützen.

In der belgischen Zeitung «Le Soir» heißt es: Eine Regelung, die sich

den Umständen anpasse, höre schnell auf, eine Regelung zu sein. Sie
werde zu einem Werkzeug der Instrumentalisierung. Die Geschichte der
FIFA sei mit zu vielen «Teufelspakten gepflastert», als dass man ihr
noch den Segen ohne Beichte erteilen könne.