10.000 Menschen fliehen vor Flammen in Südfrankreich

06.07.2026 14:33

Wind, Hitze und extreme Trockenheit: In Südfrankreich tobt ein
Großbrand. Die höchste Warnstufe gilt - und sogar die Arbeit steht
mancherorts still. Auch die Tour de France ist betroffen.

Narbonne (dpa) - Wegen eines weiter um sich greifenden Naturbrandes
in Südfrankreich sind inzwischen 10.000 Menschen evakuiert worden.
Betroffen sind 26 Ortschaften in einem Gebirgsmassiv westlich von
Perpignan, wo die Flammen sich inzwischen durch 4.600 Hektar Fläche
gefressen haben, wie die Präfektur mitteilte. Der Brand wurde durch
Wind, große Hitze und vor allem durch eine außergewöhnlich hohe
Lufttrockenheit angefacht. Ein Feuerwehrmann sowie ein Anwohner
wurden schwer verletzt.

Die Präfektur des Departements Pyrénées-Orientales rief die Menschen

in der betroffenen Region dazu auf, die Straßen vollständig für die
Feuerwehrkräfte freizuhalten und nicht in die Häuser zurückzukehren,

um dort Besitz in Sicherheit zu bringen. Für Firmen, deren
Beschäftigte nicht zur Arbeit kommen können, soll eine
Kurzarbeitsregelung getroffen werden. Der regionale Bahnverkehr wurde
beeinträchtigt und ein für Ausflügler auf einer Bergstrecke
eingesetzte Zug stellte den Verkehr ein.

Zur Unterstützung der Löscharbeiten sollten nach Angaben der
EU-Kommission im Laufe des Tages vier Flugzeuge aus Schweden und
Zypern in den betroffenen Gegenden in den Frankreich ankommen.
Frankreich habe am Sonntag Hilfe über das
EU-Katastrophenschutzverfahren angefragt, hieß es. «Angesichts dieser
verheerenden Brände steht Europa zusammen. Wir sind vereint in
unserer Entschlossenheit, Leben, Gemeinden, Lebensgrundlagen und
unsere natürliche Umwelt zu schützen», sagte die zuständige
EU-Kommissarin Hadja Lahbib.

Brand bremst Tour de France aus

Der ausufernde Brand führte auch zu einer Anpassung der dritten
Etappe der Tour de France, die heute durch die betroffene Region
führt und nun ohne Zuschauer und Werbekarawane unterwegs sein wird.
Alle Sicherheitskräfte müssten sich auf die Bekämpfung des Brandes
konzentrieren, erklärte die Präfektur. Wer sich nicht an die
Einschränkungen halte, müsse mit einem Bußgeld rechnen.

Der staatliche Wetterdienst Météo France warnte für größere Teile

Frankreichs vor einer hohen Brandgefahr. Für sieben Departements im
Südosten wurde die höchste Warnstufe Rot verhängt, während in 41
weiteren Departements eine hohe Waldbrandgefahr besteht. Auch in
anderen Regionen Frankreichs brachen bereits Wald- und
Vegetationsbrände aus.

Viele Waldbrände auch auf der iberischen Halbinsel

Auch in Portugal und Spanien halten mehrere Waldbrände die Feuerwehr
seit Tagen auf Trab. Besonders das Feuer im portugiesischen Vouzela
rund 80 Kilometer südöstlich von Porto bereitete Anwohnern und
Behörden große Sorgen. Die Flammen sind aber dort inzwischen nach
drei Tagen unter Kontrolle. Wegen der anhaltenden Gefahr eines
Wiederaufflammens waren dort aber immer noch mehr als 1100
Feuerwehrleute mit fast 400 Fahrzeugen und drei Löschflugzeugen im
Einsatz. Mit rund 13.000 Hektar zerstörter Fläche gilt der Brand in
Vouzela bislang als der größte Waldbrand Europas im laufenden Jahr.