Söder fordert Kaufprämie für gebrauchte E-Autos

07.07.2026 16:08

Die deutsche Autoindustrie leidet. Die seit Jahresanfang verfügbare
Kaufprämie für Elektroautos liefert bisher nicht den erhofften
Effekt. Aus Bayern kommt nun eine Idee für einen neuen Ansatz.

München (dpa) - CSU-Chef Markus Söder fordert eine Ausweitung der
Kaufprämie auf gebrauchte Elektroautos. Die E-Auto-Prämie müsse
nachgebessert werden, sagte der bayerische Ministerpräsident nach
einer Sitzung seines Kabinetts in München. Als Begründung nannte er
die erkennbaren Effekte der bisherigen Prämienregelung.

«Es zeigt sich, dass es im Wesentlichen ausländische Hersteller sind,
was befürchtet war, die von der E-Prämie profitieren», sagte Söder.

China habe seinen Anteil an E-Autos verdoppelt, auch französische und
italienische Fahrzeuge profitierten. Deswegen brauche es, auch nach
Rücksprache mit den bayerischen Autobauern, die Öffnung der
Kaufprämie für Gebrauchtwagen, auch im Bereich E-Mobilität: «Da
können deutsche Hersteller stärker profitieren.» Das deutsche
Förderprogramm gilt bisher für Neufahrzeuge, die ab dem 1. Januar
2026 erstmals in Deutschland zugelassen wurden. 

EU-Vorschlag verschärfe als Mogelpackung nur die Probleme

Darüber hinaus kritisierte Söder erneut die seit Dezember bekannten
Pläne der EU-Kommission zur Zukunft von Verbrennermotoren: «Die
bisherige Vorlage des Automobilpakets durch die Kommission ist eine
Mogelpackung, die das Problem nicht löst, sondern eher verschärft.
Und deswegen muss es jetzt vom Parlament grundlegend überarbeitet
werden.»

Es brauche ein klares Votum für Technologieoffenheit, das gelte
ausdrücklich auch für den Hightech-Verbrenner, so Söder weiter. Zudem

dürfe es weder bei Pkw noch bei Lkw Flottengrenzwerte oder
Strafzahlungen für den Ausstoß von Kohlendioxidausstoß (CO2) geben.
«Das wäre im Moment aktuell wichtig, um auf die Marktverschiebungen,
die es gerade wegen China und USA gibt, reagieren zu können.»

EU-Vorschläge werden derzeit im Parlament beraten

Die EU-Kommission hatte im Dezember vorgeschlagen, auch nach 2035 in
der EU Autos mit Verbrennungsmotor neu zuzulassen - eine Abkehr vom
eigentlich ausgehandelten Verbrenner-Aus. Über die Vorschläge beraten
derzeit Europaparlament und der Rat der EU-Mitgliedstaaten. Ohne die
Zustimmung beider Institutionen treten sie nicht in Kraft.

Der Vorschlag der EU-Kommission sieht bisher ein 90-Prozent-Ziel bei
den CO2-Flottenemissionen im Vergleich zum Basisjahr 2021 vor,
wodurch hocheffiziente Verbrenner und Hybridfahrzeuge unter Auflagen
weiterhin neu zugelassen werden können. Ein Bonus soll es zudem für
kleine E-Autos unter einer Länge von 4,20 Metern geben. Aus Söders
Sicht ist auch die Längenregelung nicht akzeptabel: Dadurch würden im
Wesentlichen französische und andere Wagen bevorteilt, den deutschen
Autobauern schade es aber. «An der Stelle ist auch Made in Germany
sehr wichtig.»

Widerspruch von Greenpeace

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace widersprach Söder: «Nicht die
Förderung lässt die Leute ausländische E-Autos kaufen, sondern das
fehlende Angebot kleiner deutscher Modelle. Genau deshalb ist die
Längenregelung eine gute Sache: Sie zwingt die deutschen Hersteller
endlich dazu, kleinere, bezahlbare E-Autos anzubieten - und die
werden spätestens seit Beginn der Ölpreiskrise stark nachgefragt»,
sagte Mobilitätsexpertin Lena Dona. Nur wenn die deutsche Industrie
sich jetzt voll auf Elektromobilität konzentriere und dabei ein
erschwingliches Sortiment aufbaue, werde sie von diesem schnell
wachsenden Segment profitieren.