EU-Kommission will mehr Eiweiß aus Europa

07.07.2026 16:47

Als proteinreiches Futter führt Europa viel Soja aus den USA und
Brasilien ein. Wird künftig mehr Raps verfüttert? Die EU-Kommission
will die heimische Produktion stärken.

Straßburg (dpa) - Europäische Landwirte sollen zum Füttern ihrer
Nutztiere nach Vorstellung der EU-Kommission verstärkt auf heimische
Pflanzen zurückgreifen können. Die Brüsseler Behörde will den Anbau

von Eiweißpflanzen in Europa fördern und deren Wettbewerbsfähigkeit
verbessern, wie sie mitteilt. 2025 stammten ihren Angaben nach nur 25
Prozent der Ölsaaten und Eiweißpflanzen, die zur Tierfütterung in der

EU verwendet wurden, aus der Union. Als neuen Richtwert setzt die
Kommission 35 Prozent bis 2035. Das soll die Abhängigkeit von
ausländischen Lieferanten verringern. 

Die EU-Staaten sollen dafür unter anderem Hülsenfrüchte und Soja mit

EU-Mitteln fördern. Hülsenfrüchte in der Fruchtfolge haben auch den
Vorteil, dass sie den Düngemittelbedarf und die
Treibhausgasemissionen senken, wie ein EU-Beamter sagte. Die
Kommission sieht auch Potenzial bei nachhaltig angebauten
Biokraftstoffen und einer effizienteren Nutzung von Biomasse.

Viel wird aus Partnerländern importiert

In der Tierhaltung in der EU werden laut EU-Kommission jährlich 74
Millionen Tonnen Protein als Futtermittel verbraucht. Rund 26 Prozent
davon werden eingeführt, insbesondere Soja. Proteinreiche Pflanzen
werden vorwiegend als Sojabohnen und -schrot importiert, vor allem
aus den USA, Brasilien und Argentinien.

Brasilien und Argentinien zählen zu den südamerikanischen
Mercosur-Staaten, mit denen die EU seit Mai eine Freihandelszone
bildet. Durch die Liberalisierung des Handels könnten Preise sinken,
etwa die für Soja.

Künftig soll nach Vorstellung der EU-Kommission zudem ein größerer
Teil aus ukrainischer Herstellung abgedeckt werden. Allein durch
einen Beitritt der Ukraine zur EU würde das Handelsdefizit bei
pflanzlichem Eiweiß von 13,9 Millionen auf 4,7 Millionen Tonnen
sinken, schreibt die Behörde.

Verbesserungen für Tierhalter angekündigt

Die EU-Kommission legte außerdem eine Strategie vor, wie sie die
Tierhaltung stärken will, damit diese widerstandsfähig,
wettbewerbsfähig und nachhaltig bleibe. Sie mache 40 Prozent der
Wertschöpfung der EU-Landwirtschaft aus, erwirtschafte einen
Jahresumsatz von 400 Milliarden Euro und gebe 7 Millionen Menschen
Arbeit. Doch unter anderem Tierkrankheiten, Klimawandel,
Marktveränderungen, hohe Produktionskosten und ein Mangel junger
Landwirte seien Herausforderungen.

Die Behörde kündigte unter anderem einen besseren Zugang zu
Versicherungen und mögliche Lösungen wie mobile Schlachthäuser an, um

diesen Teil der Landwirtschaft in vielen Regionen erhalten zu können.
Gleichzeitig sollen weiter Emissionen gesenkt werden.

Die Zukunft von Legehennen

Bei dieser Gelegenheit erwähnte die Behörde auch erneut ihr Ziel,
schrittweise aus der Käfighaltung auszusteigen. Sie nannte nun
konkrete Zeitpunkte: Bis Ende des Jahres soll ein Gesetzesentwurf zum
Tierwohl von Masthühnern und Legehennen vorgelegt werden. Darin soll
es unter anderem auch um ein Ende der systematischen Tötung
männlicher Eintagsküken gehen. Mittlerweile ist es technisch möglich,

schon im Brutstadium das Geschlecht von Hühnerembryonen
festzustellen, wie eine EU-Beamtin sagte. Für das zweite Quartal 2027
kündigte die EU-Kommission einen Vorschlag zu Schweinen an. 

Bei den Vorschlägen werde es auch um praxisnähere
Tierschutzindikatoren für den landwirtschaftlichen Betrieb gehen. An
importierte Produkte sollen zudem künftig Anforderungen an den
Tierschutz gestellt werden, die gleichwertig mit dem in der EU sein
sollen. Auch sollen Landwirte bei der Umstellung unterstützt werden,
etwa durch Förderprogramme. Die Kommission werde zudem mit der
Europäischen Investitionsbank prüfen, ob bei Tierschutzmaßnahmen ein

bevorzugter Zugang zu Darlehen möglich sei.