Warum neue EU-Zollregeln Temu & Co. kaum bremsen dürften
08.07.2026 04:00
Neue EU-Zollregeln sollen Billigimporte aus China eindämmen. Doch
große Onlinehändler dürften ihre Lieferketten anpassen. Auch für de
n
Airport Leipzig/Halle wird nur ein kurzfristiger Effekt erwartet.
Leipzig/Halle (dpa) - Die neuen EU-Zollregeln für Billigimporte aus
China dürften den Boom von Onlineplattformen wie Temu oder Shein kaum
bremsen. Für den Luftfrachtstandort Leipzig/Halle erwartet die DHL
Group allenfalls kurzfristige Auswirkungen. Größere Onlinehändler
dürften ihre Waren künftig verstärkt gesammelt in die Europäische
Union einführen, dort verzollen und anschließend innerhalb Europas
weiterverteilen, teilte das Unternehmen auf Anfrage mit.
Seit dem 1. Juli gilt auch für Bestellungen aus Nicht-EU-Staaten im
Wert von unter 150 Euro eine pauschale Zollgebühr von drei Euro je
Warengruppe. Die Regelung soll für mehr Chancengleichheit im
europäischen Handel sorgen und den Wettbewerb mit europäischen
Anbietern stärken.
Dass asiatische Shoppingplattformen ihren Marktanteil weiter
ausbauen, zeigen aktuelle Zahlen des Bundesverbands E-Commerce und
Versandhandel (Bevh). Im zweiten Quartal entfielen 5,3 Prozent der
Onlinehandelsumsätze in Deutschland auf Temu, Shein und AliExpress -
so viel wie nie zuvor. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum steigerten die
Plattformen ihre Umsätze um mehr als 20 Prozent.
Onlinehändler stellen Lieferketten um
Nach Angaben der DHL Group setzen einige größere Onlinehändler
bereits auf neue Logistikmodelle. Dabei werden Waren zunächst als
größere Sendungen in die Europäische Union eingeführt und dort
regulär verzollt. Anschließend werden sie innerhalb Europas an die
Kunden verteilt. Ob sich die neuen Regeln bereits auf die
Sendungsmengen auswirken, lasse sich wenige Tage nach ihrem
Inkrafttreten bislang nicht belastbar beurteilen.
Auch am Flughafen Leipzig/Halle spielt der Onlinehandel aus China
eine zunehmende Rolle. «Insbesondere das wachsende
E-Commerce-Geschäft aus China sorgt für steigende Sendungsmengen»,
sagte Flughafensprecher Uwe Schuhart. Mit Shaoke und QT Logistics
haben sich zuletzt zwei auf den grenzüberschreitenden Onlinehandel
spezialisierte Logistikunternehmen am Standort angesiedelt, die Waren
für E-Commerce-Anbieter umschlagen.
Leipzig/Halle erwartet nur kurze Delle
Kurzfristig rechnet der Flughafen mit einem Rückgang des
Frachtvolumens im unteren bis mittleren zweistelligen Prozentbereich.
Mittelfristig dürften sich die Lieferketten jedoch anpassen und Waren
verstärkt zunächst gesammelt in die Europäische Union eingeführt
werden, bevor sie von dort aus an die Kunden weitergeschickt werden.
Nach Einschätzung der DHL Group dürfte nur ein kleiner Teil der
Bestellungen von Plattformen wie Temu oder Shein über das
Express-Drehkreuz in Leipzig laufen. Viele Waren gelangten
stattdessen per Seeschiff oder über Lager in Polen und Tschechien
nach Europa. Das DHL-Drehkreuz sei dagegen vor allem auf
zeitkritische Expresssendungen ausgelegt.
Handel fordert weitere Schritte
Der Handelsverband Deutschland begrüßte die neue Zollgebühr als «ei
n
sinnvolles Signal für mehr Chancengleichheit im europäischen Handel».
Sie allein werde jedoch nicht verhindern, dass weiterhin unsichere
Produkte, falsch deklarierte Waren oder Verstöße gegen europäische
Verbraucher-, Umwelt- und Produktsicherheitsstandards auf den
Binnenmarkt gelangten. «Die Zollgebühr gleicht lediglich einen
finanziellen Wettbewerbsnachteil aus, sie kann eine wirksame
Marktüberwachung nicht ersetzen», sagte der stellvertretende
HDE-Hauptgeschäftsführer Stephan Tromp. Wie stark die neuen Regeln
das Bestellverhalten der Verbraucher beeinflussen werden, müsse sich
erst noch zeigen.
