Umsetzung von EU-Reform: Sachsen eröffnet Migrationszentrum

08.07.2026 14:34

Hinter dem sperrigen Namen Sekundärmigrationszentrum steckt ein
klares Prinzip: Wer bereits in einem anderen EU-Staat Asyl beantragt
hat, muss dorthin zurück.

Dresden (dpa/sn) - Sachsen hat ein sogenanntes
Sekundärmigrationszentrum für Asylbewerber eröffnet, die in andere
EU-Staaten ausreisen sollen. Man wolle das neue Gemeinsame
Europäische Asylsystem (Geas) schnellstmöglich umsetzen, sagte
Innenminister Armin Schuster (CDU). «Und ein Schlüsselinstrument von
Geas sind die Sekundärmigrationszentren.»

Die Einrichtung ist seit 1. Juli am Standort des bisherigen
Landesausreisezentrums in Dresden in Betrieb, allerdings ist dort
noch niemand nach den neuen Regelungen untergebracht. Bis zu 400
Plätze stehen für Menschen zur Verfügung, für deren Asylverfahren e
in
anderes EU-Mitglied zuständig ist oder die bereits als
Schutzberechtigte in einem anderen Mitgliedstaat anerkannt wurden.

Dublin-Zentren in Hamburg und Brandenburg

Schuster sagte, dass Sachsen ein solches Sekundärmigrationszentrum
als erstes Bundesland eröffnet habe. Zwei Bundesländer - Hamburg und
Brandenburg - haben bereits vor der Geas-Reform sogenannte
Dublin-Zentren gegründet. Diese funktionieren grundsätzlich ähnlich,

unterscheiden sich aber etwa mit Blick auf mögliche
Aufenthaltsbeschränkungen.

In Hamburg ist das Dublin-Zentrum nach Angaben eines Sprechers der
Innenbehörde in ein Sekundärmigrationszentrum umgewandelt worden. In
Brandenburg ist die Überlegung zu einer möglichen Umwandlung laut
dortigem Innenministerium noch nicht abgeschlossen.

Genehmigung beim Verlassen des Zentrums nötig

Im Zentrum in Sachsen besteht für die Bewohner nach den neuen Regeln
eine Melde- und Aufenthaltspflicht. Wer das umzäunte Gelände
verlassen will, muss sich unter Angabe eines Grundes, beispielsweise
ein Arztbesuch oder ein Spaziergang, eine Genehmigung einholen. Das
soll auch kurzfristig möglich sein. Schuster betonte jedoch: «Was Sie
hier sehen, ist keine Haft.»

Auch Schulräume und Kinderbetreuung

Anders als das Landesausreisezentrum ist die Einrichtung nicht nur
für alleinreisende Männer gedacht, sondern auch für Frauen und
Familien. Deshalb gibt es nun auch Räume für Schulunterricht,
Kinderbetreuung und ein Frauencafé. Neben ihren Wohnräumen stehen
allen Bewohnern Gemeinschaftsräume, eine Wäscherei und Bereiche für
Spiel und Sport zur Verfügung. Vor Ort wird auch Deutschunterricht
und eine Rückreiseberatung angeboten.

Geas ist seit 12. Juni in Kraft. Ziel sind schnellere Asylverfahren,
mehr Solidarität zwischen den EU-Ländern und perspektivisch auch
Abschiebezentren in Drittstaaten. Der Reform war ein jahrelanger
Streit zwischen den EU-Staaten über die Migrationspolitik
vorausgegangen.