EU-Parlament kritisiert Selenskyj im Streit mit Polen
08.07.2026 15:13
Der Geschichtsstreit zwischen der Ukraine und Polen erreicht das
Europäische Parlament. Die Abgeordneten finden deutliche Worte
gegenüber dem ukrainischen Präsidenten.
Straßburg (dpa) - Das Europaparlament hat den ukrainischen
Präsidenten Wolodymyr Selenskyj für die Benennung einer
Armee-Einheit, die zum Konflikt mit Polen führte, kritisiert. Die
Abgeordneten bezeichneten das Vorgehen, bei dem Selenskyj die
umstrittene ukrainische Partisaneneinheit UPA aus dem Zweiten
Weltkrieg ehrte, in einem Beschluss als «unnötige und unprovozierte
Eskalation».
Die Abgeordneten bedauerten, dass bei der Entscheidung die
Empfindlichkeiten und das Leid Polens ausgeblendet worden seien,
heißt es in dem Text, der mit 460 Ja-Stimmen, 136 Nein-Stimmen und 59
Enthaltungen angenommen wurde.
Selenskyj hatte den Geschichtsstreit Ende Mai ausgelöst, als er einer
Armee-Einheit den Beinamen «Helden der UPA» verlieh. Kiew ehrt das
Andenken an die Untergrundkämpfer der Ukrainischen Aufstandsarmee
(UPA), weil sie nach dem Zweiten Weltkrieg Widerstand gegen die
Sowjetherrschaft leisteten. Während des Krieges waren die Bewaffneten
aber für Massaker an Zehntausenden Polen und Juden in der heutigen
Westukraine verantwortlich. Polens Präsident Karol Nawrocki
verschärfte den Konflikt später seinerseits, indem er Selenskyj den
höchsten polnischen Orden aberkannte.
Das EU-Parlament ist der Resolution zufolge der Auffassung, dass die
Benennungs-Entscheidung des ukrainischen Präsidenten nicht im
Einklang mit europäischen Werten stehe und den nachbarschaftlichen
Beziehungen schade. Die Abgeordneten sprachen sich für eine
Deeskalation und eine echte und aufrichtige Aussöhnung aus.
