Langer Rechtsstreit um Spielerberater: Was der EuGH sagt
09.07.2026 10:46
Spielervermittlung im Fußball ist ein milliardenschweres Geschäft.
Inwieweit darf der DFB sich dabei einmischen und etwa
Transparenzregeln aufstellen? Das höchste europäische Gericht macht
Vorgaben.
Luxemburg (dpa) - Der Gerichtshof der Europäischen Union hat den
Deutschen Fußball-Bund im jahrelangen Streit mit Spielervermittlern
bei der Möglichkeit von Vorgaben gestützt. «Das DFB-Reglement für
Spielervermittlung könnte unter eine Ausnahme vom Kartellverbot
fallen», heißt es in einer Mitteilung des EuGH in Luxemburg.
Spielervermittler Roger Wittmann, dessen Firma Rogon (Frankenthal) zu
den bekanntesten der Branche zählt, hatte vor deutschen Gerichten
gegen das Reglement des Deutschen Fußball-Bundes für
Spielervermittler geklagt. Dieses halten er und die Deutsche
Fußballspieler-Vermittler-Vereinigung (DFVV) für kartellrechtswidrig.
Demnach müssen sich Vermittler unter anderem registrieren lassen und
sich diversen FIFA- und DFB-Statuten unterwerfen.
Laut früheren Urteilen des EuGH sind Wettbewerbsbeschränkungen durch
die Verbände zulässig, wenn sie einen fairen sportlichen Wettstreit
sicherstellen sollen. Der mit dem Fall befasste Bundesgerichtshof
(BGH) wollte nun wissen, ob und wie diese Vorgaben auch auf das
DFB-Reglement anzuwenden sind. Der EuGH stimmte einer
Ausnahmemöglichkeit vom Kartellverbot grundsätzlich zu, betonte
jedoch, dass im Einzelfall genau geprüft werden müsse, dass die
Regeln die Wettbewerbsbeschränkung nicht direkt bezwecken, sondern in
erster Linie ein dem Gemeinwohl dienendes Ziel verfolgen. Dabei müsse
nicht jede einzelne Regelung isoliert betrachtet werden, so der EuGH.
Ball liegt wieder beim BGH
Der Ball liegt nun wieder beim BGH in Karlsruhe, der bei seiner
Entscheidung die Vorgaben aus Luxemburg berücksichtigen muss. In der
Vorinstanz hatte das Frankfurter Oberlandesgericht Ende 2021 bei
einigen Passagen dem DFB und in anderen Punkten Rogon recht gegeben.
Weltweit über eine Milliarde an Spielerberater
Mit eigenen Regelwerken wollten die Fußballverbände auf dem
millionenschweren Markt für mehr Transparenz und Kontrolle sorgen.
Auch gegen den Weltfußballverband liegt deswegen eine Klage beim EuGH
vor. Hier hatte das Landgericht Mainz angefragt und den Gerichtshof
in Luxemburg konkret nach der Zulässigkeit der FIFA-Regelungen
gefragt. Ein Urteil wird nächste Woche erwartet.
Die Branche der Spielerberater gilt seit Jahren als Wachstumsmarkt.
2025 sind nach FIFA-Angaben weltweit insgesamt 1,37 Milliarden
US-Dollar (rund 1,167 Milliarden Euro) an Honoraren für Transfers von
Fußballern geflossen - so viel wie noch nie. In Deutschland weisen
die Finanzkennzahlen der 36 Proficlubs für die Saison 2024/25 erneut
eine Erhöhung der Spielerberaterkosten aus: Gegenüber dem Vorjahr
stiegen die Ausgaben von 274 auf 297 Millionen Euro.
