SAP wendet EU-Strafe ab

09.07.2026 12:10

Europas größter Softwarehersteller stand wegen Vorgaben für Wartungs-

und Supportdienstleistungen im Fokus der Wettbewerbshüter der EU. Nun
hat es sich zu Änderungen verpflichtet.

Brüssel/Walldorf (dpa) - Der deutsche Softwarekonzern SAP hat mit
Zusagen eine drohende EU-Strafe wegen möglicher Wettbewerbsverstöße
abgewendet. Das teilte die EU-Kommission mit. Sie hatte wegen des
Verdachts, Europas größter Softwarehersteller könnte den Wettbewerb
bei Wartungs- und Supportdienstleistungen verzerrt haben, im
September ein Verfahren eröffnet. 

In einer vorläufigen Bewertung des Falls hatte die Kommission
dargelegt, wieso sie bei diesen Dienstleistungen Wettbewerbsverstöße
vermutet. Demnach verlange der Konzern mit Sitz in Walldorf in
Baden-Württemberg von seinen Kunden, die Software nur von SAP warten
zu lassen.

Zudem müssten Kunden für alle Softwarelösungen von SAP dieselbe Art
von Wartungs- und Supportleistungen zu denselben Preisbedingungen
wählen. Dies könne sie daran hindern, Wartungs- und Supportleistungen
verschiedener Anbieter zu unterschiedlichen Preis- und Supportniveaus
zu kombinieren, obwohl dies für sie günstiger wäre. 

Kündigungsbedingungen kritisiert

Auch warf die EU-Kommission SAP vor, dass Kunden Wartungs- und
Supportleistungen für ungenutzte Softwarelizenzen nicht kündigen
könnten - sie also für ungewünschte Leistungen weiter zahlen müsste
n.
Kunden, die nach einer Auszeit wieder Dienstleistungen von SAP
abonnieren, müssten außerdem eine Wiederaufnahmegebühr und
Nachzahlungen leisten, heißt es weiter. Die Brüsseler Behörde
verdächtigte das Unternehmen daher, seine Kunden auszubeuten.

SAP hat sich den Angaben nach nun unter anderem dazu verpflichtet,
Kunden zu ermöglichen, für verschiedene Teile der SAP-Landschaft
unterschiedliche Anbieter von Wartungs- und Supportleistungen zu
wählen. Kunden müssen demnach auch ihre Lizenzen und die
entsprechenden Wartungs- und Supportgebühren kündigen können, wenn
der Kunde beispielsweise insolvent geht oder eine Implementierung
scheitert und SAP dafür verantwortlich ist.

Für zehn Jahre verpflichtet

Die EU-Kommission hat diese und weitere Verpflichtungszusagen
angenommen. SAP muss sie nach Angaben der Behörde nun weltweit für
zehn Jahre einhalten. 

Sollte SAP dagegen verstoßen, könnte die EU-Kommission eine Geldbuße

von bis zu zehn Prozent des weltweiten Jahresumsatzes verhängen oder
ein tägliches Zwangsgeld in Höhe von fünf Prozent des Tagesumsatzes
für jeden Tag der Nichteinhaltung. 

SAP hatte die Vorwürfe im September zurückgewiesen. «SAP ist der
Ansicht, dass die eigenen Richtlinien und Maßnahmen vollständig mit
den Wettbewerbsregeln im Einklang stehen», teilte das Unternehmen
mit. «Wir nehmen die Bedenken der Kommission jedoch ernst und
arbeiten eng mit ihr zusammen, um eine Lösung zu finden. Materielle
Auswirkungen auf unsere Finanzergebnisse werden nicht erwartet.»