EU: Instagram und Facebook bergen zu große Suchtrisiken Von Niklas Treppner, dpa

10.07.2026 12:09

Wie gefährlich sind Instagram und Facebook für Kinder und
Jugendliche? EU-Prüfer erheben nach zweijährigen Ermittlungen
Vorwürfe gegen den Meta-Konzern. Dies könnte weitreichende
Konsequenzen haben.

Brüssel (dpa) - Instagram und Facebook bergen nach vorläufigen
Ergebnissen einer EU-Untersuchung zu große Suchtgefahren für Kinder
und Jugendliche. Die Europäische Kommission sieht Risiken unter
anderem durch stark personalisierte Empfehlungen sowie das
automatische Abspielen immer neuer Videos und treibt ein Verfahren
gegen den Mutterkonzern Meta voran. 

Der US-Konzern muss darauf nun reagieren. Wenn er die Vorwürfe nicht
entkräften kann oder keine Änderungen vornimmt, könnte die
EU-Kommission eine Milliardenstrafe in Höhe von bis zu sechs Prozent
des Jahresumsatzes verhängen. Bei Meta könnten das mehr als 12
Milliarden Euro sein.

Inmitten der Debatte um ein Mindestalter für Social Media
veröffentlicht die Brüsseler Behörde damit erneut
Ermittlungsergebnisse, die den Druck auf die Online-Plattformen
erhöhen und der EU Argumente für strengere Regeln geben.

Auch gegen TikTok läuft ein Verfahren wegen der Suchtgefahr der App -
seit Februar gibt es dazu ähnliche vorläufige Ermittlungsergebnisse.
Eine von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen eingesetzte
Expertenkommission gibt am Montag ihre Empfehlungen dazu ab, wie es
beim Thema Social-Media-Verbot weitergehen sollte. 

Warum die EU-Kommission Suchtgefahr befürchtet

Bei Instagram und Facebook kritisiert die EU-Kommission etwa die
Funktion des automatischen Abspielens und des endlosen Scrollens. Mit
dem endlosen Scrollen ist gemeint, dass beim Weiterwischen auf einer
Plattform ständig neue Inhalte geladen werden, ohne dass der Nutzer
zu Pausen gezwungen ist. 

Zudem kritisiert die EU-Kommission, wie Inhalte per personalisiertem
Algorithmus ausgewählt werden. Auch Benachrichtigungen, die
Nutzerinnen und Nutzer immer wieder zurück auf die Plattformen holen,
werden moniert. 

Was Instagram und Facebook laut Brüssel ändern müssen

Die Versuche des Meta-Konzerns unter Leitung von Mark Zuckerberg, die
Suchtgefahr für Minderjährige, aber auch vulnerable Erwachsene zu
minimieren, sieht die EU-Kommission als nicht ausreichend an.
Zeitmanagement-Tools für Kinder, wie etwa Tageslimits oder
Pausenzeiten, lassen sich laut Brüsseler Behörde leicht ausschalten.
Andere Funktionen der Kindersicherung von Instagram und Facebook sind
demnach nur dann wirksam, wenn Eltern ausreichend technische
Kenntnisse und sich die Mühe machen, sie wirklich zu verstehen.

Nach Ansicht der Brüsseler Behörde müssen Instagram und Facebook die

Funktionsweisen ihrer Plattformen nun ändern. Beispielhaft schlägt
die EU-Kommission etwa vor: 

* Standardmäßige Deaktivierung des endlosen Weiterwischens und des
automatischen Abspielens von Videos
* Einführung wirksamer Bildschirmpausen
* Anpassung der Empfehlungen, um sie weniger auf Nutzerinteraktion
auszurichten

Zuckerbergs Konzern beim Thema Kinderschutz unter Druck 

Gegen Meta läuft parallel ein weiteres EU-Verfahren. Die Brüsseler
Internetwächter verlangen von Instagram und Facebook auch, das in den
Nutzungsbedingungen festgelegte Mindestalter von 13 Jahren
durchzusetzen - ansonsten droht dem Mutterkonzern auch hier eine
Strafe. 

Zuletzt kündigte Meta an, seinen Einsatz von Künstlicher Intelligenz
(KI) auszuweiten, um das Alter von Kindern und Jugendlichen auf
Instagram, Facebook und Threads strenger zu kontrollieren. 

Ermittlungen auch für Debatte um Social-Media-Verbot wichtig 

Beide EU-Verfahren sind auch für die Empfehlungen der von Ursula von
der Leyen eingesetzten Experten wichtig, da die Wissenschaftler auch
die im Rahmen der Ermittlungen gefundenen Beweise berücksichtigen
dürften. 

Mehrere Mitgliedsländer, darunter Frankreich, Spanien, Griechenland
und Österreich, wollen ein Social-Media-Verbot für Minderjährige bis

zu einem bestimmten Alter gesetzlich festlegen. Auch
Bundesfamilienministerin Karin Prien kündigte an, ein solches Verbot
in Deutschland einführen zu wollen.

Allerdings dürfte das ohne Rückendeckung aus Brüssel schwerer
umsetzbar sein, wie das Beispiel Frankreich zeigt. Die EU-Kommission
beanstandete den französischen Gesetzesvorschlag für ein
Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren, weil
er nicht mit EU-Regeln kompatibel sei. Da die Brüsseler Behörde in
Teilen der Digitalpolitik ein Vorrecht hat und nur sie den großen
Plattformen Vorschriften machen darf, muss Frankreich den Text nun
ändern.

Meta könnte Strafe bekommen

Für die Reaktion auf die Vorwürfe der EU gibt es für den Meta-Konzern

keine Frist. Kritiker werfen der Europäischen Kommission immer wieder
vor, die EU-Regeln für digitale Plattformen nicht konsequent genug
durchzusetzen, zu lange für die Verfahren gegen die Online-Riesen zu
brauchen und zu wenig Strafen auszusprechen. Das Verfahren gegen Meta
wegen mangelnden Jugendschutzes dauert bereits über zwei Jahre. 

In den USA verlor der Facebook-Konzern zusammen mit der
Google-Videoplattform YouTube bereits einen viel beachteten
Gerichtsprozess wegen des Suchtpotenzials seiner Angebote.
Geschworene in Los Angeles sprachen der 20-jährigen Klägerin als
Wiedergutmachung einen Betrag von drei Millionen Dollar zu, der zu 70
Prozent von Meta bezahlt werden solle.