Großprojekt Brenner-Nordzulauf: Nun ist der Bundestag am Zug
10.07.2026 13:06
Nach jahrzehntelangen Diskussionen soll der Bundestag über eines der
strittigsten Bahn-Großprojekte Bayerns entscheiden. Bahn und
Bundesverkehrsministerium haben ihren Part abgeschlossen.
Berlin (dpa/lby) - Der geplanten Entscheidung des Bundestags über
eines der strittigsten Bahnprojekte Bayerns steht formell nichts mehr
im Wege: Das Bundesverkehrsministerium hat die Planungsunterlagen der
DB zum Bau der deutschen Zuleitungsstrecke zum Brennerbasistunnel an
das Parlament weitergeleitet. «Damit beginnt die parlamentarische
Befassung wie vom Bundesministerium für Verkehr angekündigt im Sommer
2026», erklärte Staatssekretär Ulrich Lange (CSU).
Der Plan sieht den Aus- und Neubau der Bahnstrecke von München über
Rosenheim bis zur österreichischen Grenze vor. Besonders umstritten
ist der Bau einer neuen Hochgeschwindigkeitstrasse durch den
bayerischen Teil des Inntals Richtung Kufstein. Die Bahn schätzt die
Gesamtkosten auf knapp 8,6 Milliarden Euro, hinzu kommt ein
vorbeugender Puffer für Inflation und sonstige Risiken von noch
einmal über sieben Milliarden.
Keine Erklärung für neuerliche Verspätung
Tatsächlich hätte sich der Verkehrsausschuss des Bundestags schon im
Frühjahr 2025 mit dem Brenner-Nordzulauf beschäftigen sollen. Doch
kamen das Scheitern der Ampel-Koalition und die vorgezogene
Bundestagswahl dazwischen - eine von vielen Verzögerungen in der
jahrzehntelangen Historie des Projekts. Neben dem Vorschlag der DB
umfassen die Unterlagen für die Parlamentarier einen Bericht des
Ministeriums und die Einschätzung des Eisenbahn-Bundesamts. Warum es
nach der Neuwahl noch einmal etliche Monate dauerte, bis das
Ministerium die Unterlagen an den Bundestag übersandte, ging aus der
Pressemitteilung nicht hervor.
CSU-Politikerin Ludwig: «So kann es nicht bleiben»
Die hohen Kosten erklären sich unter anderem dadurch, dass die von
der DB vorgeschlagene Vorzugstrasse 39 Kilometer neue Tunnel
vorsieht, eine Reaktion auf die Kritik von Bürgerinitiativen,
örtlichen Gemeinden und der CSU. Die Rosenheimer
CSU-Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig forderte sogleich Änderungen
an den Bahnplänen. «Für mich steht fest: So kann es noch nicht
bleiben», kritisierte die Innenstaatssekretärin die Bahnpläne.
DB bisher gegen die Änderungswünsche
Ludwig will vor allem durchsetzen, dass die DB den Inn nördlich
Rosenheims untertunnelt, außerdem soll die Verbindung zur Bahnstrecke
nach Salzburg nördlich ebenfalls unterirdisch gebaut werden. Die DB
dagegen plant eine Brücke über den Inn, die Mehrkosten eines Tunnels
unter dem Fluss beziffert die Bahn auf drei Milliarden Euro. Die
Verknüpfungsstelle soll laut DB-Vorschlag ebenfalls oberirdisch
entstehen, eine Verlegung unter die Erde hält die DB für nicht
möglich. Aus der unter Federführung von Ludwigs CSU-Parteifreund
Lange versandten Ministeriumsmitteilung ging nicht hervor, ob und wie
das Verkehrsressort und das Eisenbahn-Bundesamt Ludwigs Forderungen
bewerten.
Bürgerinitiativen wollen ganz anderes Konzept
Die unter dem Dach des «Brennerdialogs» zusammenarbeitenden
Bürgerinitiativen lehnen eine neue Hochgeschwindigkeitstrasse im
Inntal grundsätzlich ab. Der Alternativvorschlag der
Bürgerinitiativen sieht unter anderem vor, Güterzüge im Wesentlichen
über Mühldorf fahren zu lassen und so die Verbindung über Rosenheim
zu entlasten. Dafür müsste die Mühldorfer Verbindung modernisiert
werden, ein ebenfalls um Jahrzehnte verspätetes Vorhaben. Im Inntal
soll nach Vorschlag der Bürgerinitiativen die bisherige Strecke
modernisiert werden. Die DB hält auch dieses Konzept für nicht
sinnvoll beziehungsweise umsetzbar.
Deutsche Planung hängt Italien und Österreich um Jahre hinterher
Über den Brennerbasistunnel und die dazugehörigen Zulaufstrecken in
Deutschland, Österreich und Italien wird seit Jahrzehnten diskutiert.
Der Brennerbasistunnel ist mittlerweile seit zehn Jahren im Bau. Auf
italienischer Seite ist die Planung mehrerer Bauabschnitte des
Südzulaufs ebenfalls abgeschlossen oder weit fortgeschritten, zum
Teil laufen auch dafür bereits Bauarbeiten. Einzig auf deutscher
beziehungsweise bayerischer Seite ist bislang nicht einmal der
Trassenverlauf verbindlich geplant. Im Jahre 1994 hatte der damalige
Bundesverkehrsminister Matthias Wissmann (CDU) Österreich und Italien
versprochen, die deutsche Zulaufstrecke «zeitgerecht» zu bauen.
