EU und Ukraine-Unterstützer beraten über weitere Hilfen
13.07.2026 05:00
Raketenabwehr und gemeinsame Manöver stehen im Mittelpunkt, wenn
westliche Staaten in Paris über die weitere Unterstützung der Ukraine
beraten. Zuvor kommen die EU-Außenminister in Brüssel zusammen.
Paris/Brüssel (dpa) - Die sogenannte Koalition der Willigen aus
westlichen Unterstützerländern der Ukraine kommt am Montag zu
Beratungen in Paris zusammen. Bei den Gesprächen des von Frankreich
und Großbritannien angeführten Bündnisses zur Absicherung eines
möglichen Waffenstillstands zwischen Russland und der Ukraine soll es
nach Angaben des französischen Präsidenten Emmanuel Macron unter
anderem um das Thema Raketenabwehr und mögliche gemeinsame
Militärmanöver gehen.
Die Bundesregierung hat die Teilnahme von Kanzler Friedrich Merz
(CDU) bestätigt. Unklar war, ob auch der ukrainische Präsident
Wolodymyr Selenskyj bei den Beratungen in Paris dabei sein wird.
Selenskyj bemüht sich nach Kräften darum, neue Munition für die
Patriot-Flugabwehrsysteme seines Landes von den Partnern zu bekommen.
Sie sind die wirksamste Abwehrwaffe gegen Russlands ballistische
Raketen. Doch die Lenkflugkörper PAC-3 sind knapp, die Produktion in
den USA läuft langsam. US-Präsident Donald Trump hatte der Ukraine
beim Nato-Gipfel in Ankara eine Lizenz zum Bau von Munition für das
Flugabwehrsystem Patriot in Aussicht gestellt. Doch das ist eine
langfristige Lösung, aktuell ist die Munition vor Ort knapp, und
Russland nutzt dies aus.
Bei dem Treffen in Paris wird auch über Sicherheitsgarantien für die
Ukraine und weitere Maßnahmen zur Unterstützung des Landes gesprochen
werden, das sich seit Februar 2022 einer russischen Invasion erwehrt.
Beim Nato-Gipfel in Ankara gab es neue Hilfszusagen für die Ukraine.
In der Koalition der Willigen haben sich mehr als 35 Länder
zusammengeschlossen. Anfang des Jahres verständigte sich das Bündnis
in einer Pariser Erklärung darauf, der Ukraine rechtlich verbindlich
zuzusichern, sie im Fall eines erneuten russischen Angriffs nicht
allein zu lassen.
Außerdem steckte die Koalition den Rahmen für eine multinationale
Truppe ab, die als Abschreckung dienen und in Friedenszeiten die
ukrainischen Streitkräfte unterstützen soll - etwa bei der Ausbildung
junger Soldaten oder der Sicherung des Luftraums und der Seegebiete.
Moskau verlangt ein Mitspracherecht und lehnt eine Stationierung
ausländischer Truppen in der Ukraine vehement ab, hat den von
Kremlchef Wladimir Putin befohlenen Angriffskrieg aber selbst
ausgelöst.
EU-Außenminister erörtern neue Sanktionen gegen Russland
Zuvor beraten auch die Außenminister der EU-Staaten bei ihrem letzten
regulären Treffen vor der Sommerpause in Brüssel über die Lage im
Ukraine-Krieg. Geplant ist, weitere Sanktionen gegen Personen,
Einrichtungen und Organisationen aus Russland zu verhängen. Unklar
ist, ob auch schon ein umfassendes neues Paket mit
Handelsbeschränkungen und anderen Maßnahmen in Kraft treten kann. Die
Verhandlungen darüber dauerten zuletzt noch an.
Aus Deutschland wird Außenminister Johann Wadephul (CDU) zu den
Gesprächen erwartet. Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha ist
zu einem informellen Gedankenaustausch nach Brüssel eingeladen.
Weiterer Druck auf Moskau könnte zudem aus Washington kommen.
Einflussreiche Senatoren beider Parteien teilten vergangene Woche
mit, sich mit der US-Regierung auf neue Sanktionen gegen Russland
verständigt zu haben. Zu den Unterzeichnern der Erklärung gehört der
Republikaner Lindsey Graham, der am Wochenende kurz nach der Rückkehr
von einem Besuch in der Ukraine überraschend verstarb und als
wichtiger Unterstützer Kiews galt. Das Gesetz sieht unter anderem
eine Bestrafung von Staaten vor, die russisches Gas und Öl abnehmen.
Eine Erklärung des Weißen Hauses steht allerdings noch aus.
Kämpfe in der Ukraine dauern an
Die Kampfhandlungen an den Fronten im Osten und Südosten der Ukraine
dauern unterdessen unvermindert an. Schwerpunkte seien zuletzt die
Umgebung von Kostjantyniwka, Kramatorsk sowie Slowjansk gewesen,
erklärte der Generalstab in Kiew in seinem Lagebericht am
Sonntagabend. Die russischen Truppen seien bei ihren Angriffen von
der Luftwaffe unterstützt worden, die über 150 Gleitbomben gegen
ukrainische Stellungen eingesetzt habe. Eine unabhängige Prüfung der
Angaben war nicht möglich.
