Social Media: EU-Experten für Zugangsbeschränkung bis 13 Von Niklas Treppner, dpa

13.07.2026 11:25

Kinderschutz im Internet: Experten haben im Auftrag der EU-Kommission
geprüft, ob es strengere Altersschranken für Social Media braucht.
Was raten sie und wie geht es jetzt weiter?

Brüssel (dpa) - Von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen
beauftragte Experten empfehlen, den Zugang zu Social Media für Kinder
unter 13 Jahren in allen Mitgliedsländern zu beschränken. Die Nutzung
sozialer Medien und anderer digitaler Dienste sollte bis zu dieser
Altersgrenze nur unter Aufsicht der Eltern oder in einem
pädagogischen Kontext sowie zeitlich begrenzt erfolgen, heißt es in
einem in Brüssel vorgestellten Bericht. Die Experten sprechen sich
dafür aus, dass Mitgliedsländer über die EU-weite Basisregelung
hinaus auch höhere Altersgrenzen festlegen können. 

Ab 13 sollten Jugendliche zunehmend selbstständig Zugang zu
altersentsprechenden Social-Media-Angeboten haben, sagte der Co-Autor
des Berichts Jörg Fegert, ärztlicher Direktor der Klinik für Kinder-

und Jugendpsychiatrie am Universitätsklinikum Ulm. Solche Zugänge
müssten aber standardmäßige Sicherheitsvorkehrungen haben, fügte de
r
deutsche Forscher hinzu. Für Kleinkinder raten die Fachleute bis zu
einem Alter von zwei Jahren gänzlich von der Nutzung ab.

Von der Leyen: Vorschlag nach dem Sommer 

Von der Leyen sagte, man müsse einen schrittweisen Zugang für
verschiedene Altersgruppen in Betracht ziehen. Die deutsche
Politikerin kündigte bei der Vorstellung des Berichts einen Vorschlag
der Brüsseler Behörde nach dem Sommer an. 

Der Vorschlag ist auch für die deutsche Debatte entscheidend, da die
Brüsseler Behörde in Teilen der Digitalpolitik ein Vorrecht hat.
Details nannte von der Leyen zunächst nicht. Man werde den Bericht
nun sorgfältig lesen. 

Die CDU-Politikerin gilt als Verfechterin strengerer Regeln für die
Nutzung von sozialen Medien durch Minderjährige. Der Bericht gibt ihr
nun weitere Argumente dafür. Die Kommissionspräsidentin sagte, es
werde immer deutlicher, dass die Einführung strengerer Vorgaben nötig
sei. 

Deutschland kann Plattformen keine neuen Vorschriften machen 

Deutschland darf zwar seiner Bevölkerung vorschreiben, ab welchem
Alter Social Media erlaubt sind - dann müssten Eltern kontrollieren,
ob sich ihre Kinder an die Regeln halten. Wer die großen Plattformen
wie TikTok, Snapchat, Instagram und Co. in die Verantwortung nehmen
und ihnen die Rolle der Türsteher geben will, ist aber auf
Rückendeckung aus Brüssel angewiesen, denn primär ist die
EU-Kommission für die Regulierung der großen Plattformen zuständig.
 

Die Brüsseler Behörde kann aktuell von den Online-Riesen verlangen,
dass sie bestimmte Altersgrenzen auch technisch durchsetzen. Einzelne
Mitgliedsländer können keine neuen Regeln erlassen, die mit EU-Recht
konkurrieren. Frankreich muss seinen Gesetzesvorschlag für ein
Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren
deshalb nach Ansicht der EU-Kommission nun ändern. 

Experten: Bestehende Regeln durchsetzen 

Ganz neu wären Altersgrenzen und Maßnahmen zum Kinder- und
Jugendschutz nicht. Beliebte Plattformen wie YouTube, Instagram,
Tiktok, Snapchat und Co. fallen unter das europäische Gesetz über
digitale Dienste (Digital Services Act - DSA). Artikel 28 zum
«Online-Schutz Minderjähriger» des DSA verpflichtet die
Online-Riesen, «geeignete und verhältnismäßige Maßnahmen» zu
ergreifen, um Minderjährige zu schützen. 

Zudem verlangt die EU-Kommission von den Online-Diensten, dass sie
ihre eigenen Nutzungsbedingungen einhalten. Die sehen aus
Datenschutzgründen oft erst einen Zugang zu den Plattformen ab 13
Jahren vor. Zwar läuft deshalb bereits ein Verfahren der Brüsseler
Behörde gegen den Facebook- und Instagram-Konzern Meta. Die Experten
sprechen sich in ihrem Bericht aber dafür aus, die bestehenden Regeln
konsequenter durchzusetzen.