Bitkom warnt vor Mindestalter für TikTok und Co.
13.07.2026 14:59
Auf Unter-13-Jährige in Deutschland könnte bald ein
Social-Media-Verbot zukommen. Doch längst nicht alle in Deutschland
sind damit einverstanden.
Berlin (dpa) - Deutschlands Digitalbranche warnt vor einem möglichen
Social-Media-Verbot für Kinder in Deutschland. Pauschale
Zugangsbeschränkungen oder Verbote für ganze Altersgruppen seien «der
falsche Weg», sagte der Hauptgeschäftsführer des Branchenverbands,
Bernhard Rohleder, in Berlin. Im Bundestag wird eine Regelung für so
ein Mindestalter aber bereits vorangetrieben.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen kündigte in Brüssel
einen Vorschlag ihrer Behörde für ein Mindestalter nach dem Sommer
an. Sie nahm einen Bericht von Expertinnen und Experten entgegen, die
sich in ihren Empfehlungen unter anderem für ein Mindestnutzungsalter
von 13 Jahren aussprechen. Entsprechende Pläne verfolgt
Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU), wie ein Sprecher
bestätigte.
Bitkom-Vertreter Rohleder hielt dem entgegen: «Medienkompetenz
entsteht durch begleitete Praxis, nicht durch Ausschluss.» Bitkom
unterstütze das Ziel, Kinder und Jugendliche im digitalen Raum
wirksam zu schützen. Sinnvoll sei auch der vorgeschlagene
«risikobasierte und begleitete Zugang für Kinder unter 13 Jahren».
Schon heute aber seien Plattformen zu Schutzmaßnahmen verpflichtet,
Nutzungsbedingungen sähen oft 13 als Mindestalter vor. «Entscheidend
ist deshalb, bestehende Regeln konsequent umzusetzen und
durchzusetzen.»
Linke und Grüne für anderen Weg
Auch die Linke im Bundestag kritisiert möglich gesetzliche
Altersgrenzen. «Kinder aus dem Netz zu drängen, ist keine
Schutzpolitik», sagte ihre bildungspolitische Sprecherin Nicole
Gohlke der «Rheinischen Post». «Verpflichtende Altersverifikationen
greifen massiv in Grundrechte ein, werfen grundlegende
Datenschutzfragen auf, schaffen potenziell neue Abhängigkeiten von
Identitätsinfrastrukturen und lösen das strukturelle Problem kein
bisschen.» Stattdessen müssten soziale Medien standardmäßig ohne
suchtverstärkende Algorithmen, personalisierte Ausspielungen und
Endlos-Scrollen betrieben werden.
Ähnlich äußerte sich die Grünen-Jugendexpertin Denise Loop in der
Zeitung: «Wer Kinder und Jugendliche wirksam schützen will, muss die
Plattformen selbst verändern.»
CDU/CSU für Altersbeschränkung
Die Unionsfraktion im Bundestag dagegen möchte im Einklang mit den
Ankündigungen Priens eine Altersbeschränkung für Jugendliche in
sozialen Medien forcieren. Parallel zur angekündigten EU-Initiative
treibe man eine nationale Regelung voran, sagte Fraktionsvize Anja
Weisgerber (CSU) der «Rheinischen Post».
