Social-Media-Verbot? Was Experten von der Leyen raten Von Niklas Treppner, dpa

13.07.2026 16:48

Ab wann ist man alt genug für TikTok, Snapchat und Co.? Experten
sollten für die EU-Kommission klären, ob es ein Social-Media-Verbot
braucht. Ihre Antworten sind auch für die deutsche Debatte wichtig.

Brüssel (dpa) - Kinder unter 13 Jahren sollten in Deutschland und
anderen EU-Staaten nach der Vorstellung von Experten der
EU-Kommission keinen unbeschränkten Zugang zu sozialen Medien haben.
Die von Ursula von der Leyen beauftragten Fachleute sprechen aber
bewusst nicht von einem Social-Media-Verbot und gestehen den
Mitgliedsländern Freiheiten bei der Festlegung höherer Altersgrenzen
zu. Die Empfehlungen könnten für einen EU-Vorschlag nach dem Sommer
wegweisend sein.

Was die Experten für welche Altersgruppen raten und was sich damit
ändern würde - Antworten auf die wichtigsten Fragen:

Was empfehlen die Experten konkret? 

Grundsätzlich sprechen sich die Experten dafür aus, den Zugang für
Kinder unter 13 Jahren in allen EU-Mitgliedsländern zu beschränken.
Bis dahin sollte die Nutzung sozialer Medien und anderer potenziell
schädlicher digitaler Dienste laut dem Bericht nur unter Aufsicht der
Eltern oder in einem pädagogischen Kontext sowie zeitlich begrenzt
erfolgen. 

Komplett tabu sollen soziale Medien für Kinder also nicht sein, wie
Co-Autor Jörg Fegert im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur
erklärte: «Weil solche klaren Altersverbote das falsche Signal sind.»

Man müsse im Grundschulalter und der Vorpubertät auch einen
begrenzten Zugang ermöglichen, damit Kinder Digitales unter Anleitung
ihrer Eltern oder in der Schule ausprobieren könnten. Für Kleinkinder
raten die Fachleute bis zu einem Alter von zwei Jahren hingegen
gänzlich von der Nutzung ab. 

Und ab 13? 

Deutschland und anderen Mitgliedsländern gestehen die Experten zu,
etwa aufgrund kultureller Unterschiede auch höhere Altersgrenzen
vorzuschreiben. In Frankreich ist etwa ein Verbot für Kinder und
Jugendliche bis 15 geplant. 

Grundsätzlich finden die Wissenschaftler aber, Jugendliche sollten ab
13 zunehmend selbstständig Zugang zu altersentsprechenden
Social-Media-Angeboten haben. Solche Zugänge müssten aber
standardmäßige Sicherheitsvorkehrungen haben, fügte Fegert hinzu. Er

spricht von einer Beweislastumkehr. 

Die Online-Plattformen müssten mit veränderten Geschäftsmodellen
beweisen, dass sie nicht mehr so erhebliche Risiken für die Kinder
und Jugendlichen darstellten. Ein Suchtrisiko entsteht laut Bericht
etwa durch die Möglichkeit, endlos zu scrollen. 

Was würde sich damit ändern? 

Fegert verspricht sich von den Vorschlägen besonders einen
Perspektivwechsel. Er findet, das gesunde Aufwachsen des Kindes
sollte im Mittelpunkt der Debatte stehen. 

Wirklich neu wäre eine Altersgrenze von 13 Jahren in der EU nicht.
Die Europäische Kommission verlangt von den Online-Diensten, dass sie
ihre eigenen Nutzungsbedingungen einhalten. Die sehen aus
Datenschutzgründen oft erst einen Zugang zu den Plattformen ab 13
Jahren vor. 

Zwar läuft deshalb bereits ein Verfahren der Brüsseler Behörde gegen

den Facebook- und Instagram-Konzern Meta. Die Experten sprechen sich
in ihrem Bericht aber dafür aus, die bestehenden Regeln konsequenter
durchzusetzen.

Was macht die EU-Kommission jetzt daraus?

Von der Leyen sagte, man müsse einen schrittweisen Zugang für
verschiedene Altersgruppen in Betracht ziehen. Es herrsche bereits
Einigkeit darüber, dass es ein Mindestalter geben müsse, ab dem
Kinder soziale Medien nutzen dürften, betonte sie. Die deutsche
Politikerin kündigte bei der Vorstellung des Berichts einen Vorschlag
der Brüsseler Behörde nach dem Sommer an.

Die CDU-Politikerin gilt als Verfechterin strengerer Regeln für die
Nutzung von sozialen Medien durch Minderjährige. Der Bericht gibt ihr
weitere Argumente dafür. Die Kommissionspräsidentin betonte: «Es ist

ganz klar, dass wir altersgerechte Beschränkungen für Plattformen
brauchen.»

Kann Deutschland ein eigenes Social-Media-Verbot aussprechen? 

Der Bevölkerung vorzuschreiben, ab welchem Alter Social Media erlaubt
ist, darf Deutschland grundsätzlich. Dann müssten Eltern
kontrollieren, ob sich ihre Kinder an die Regeln halten. Viele
Politiker in den Mitgliedsländern wollen aber ja eben die großen
Plattformen wie TikTok, Snapchat, Instagram und Co. in die
Verantwortung nehmen - ihnen die Rolle der Türsteher geben. 

Doch von Online-Riesen eine Alterskontrolle zu verlangen, kann per
Gesetz nur die EU. Die Europäische Kommission setzt die
Digitalgesetze ihnen gegenüber durch. Nationale Gesetze dürfen sich
deshalb nicht mit den EU-Regeln überlappen. Erst vergangene Woche
beanstandete die Europäische Kommission den französischen Plan eines
Social-Media-Verbots für Kinder und Jugendliche unter 15. Der
Gesetzesvorschlag stand mit EU-Regeln im Konflikt und muss nun
geändert werden. 

Wie könnte ein Social-Media-Verbot technisch klappen? 

Hier dürfte eine App der EU eine große Rolle spielen. Die digitale
Brieftasche EUDI-Wallet soll Anfang 2027 auch in Deutschland
verfügbar sein. Darin soll es dann eine Möglichkeit der
Altersverifikation geben. Nutzerinnen und Nutzer sollen ein
bestimmtes Mindestalter nachweisen können, ohne dabei persönliche
Daten wie Name oder Geburtsdatum zu speichern oder an die großen
Online-Plattformen weiterzugeben. Diese Möglichkeit der
Altersverifikation könnte auch für die Durchsetzung bestehender
Regeln wichtig sein.