Macron überrascht mit Ankündigung von Manövern für Ukraine

13.07.2026 22:15

Bei einem Waffenstillstand wollen Unterstützer der Ukraine mit einer
Schutztruppe beistehen. Soweit ist es längst noch nicht, Macron aber
will die Truppe bereits zu Manövern mobilisieren.

Paris (dpa) - Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat überraschend
schon für die nächsten Monate gemeinsame Manöver der «Koalition der

Willigen» der Ukraine-Verbündeten in den Nachbarländern des von
Russland angegriffenen Landes angekündigt. Die Übungen sollten unter
anderem zeigen, «dass wir bereit, entschlossen und glaubwürdig sind -
zu Land, in der Luft und zur See», sagte Macron nach Beratungen der
Koalition in Paris, an denen unter anderen Bundeskanzler Friedrich
Merz und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj teilnahmen.

Wer konkret an diesen Manövern beteiligt sein soll und wann und wo
genau sie organisiert werden sollen, ließ Macron aber offen. Die
Koalition verfüge nun über eine multinationale Truppe für die
Ukraine, die einsatzbereit sei, so der französische Präsident. Dabei
präzisierte er aber nicht, welche Länder der multinationalen Truppe
im Einzelnen angehören werden - dazu hatte es bislang keine Einigung
und öffentliche Ankündigung der Koalition der Willigen gegeben.

Macrons Vorstoß mit Manövern kommt überraschend

Mehrere europäische Staaten hatten sich im Dezember bei einem
Ukraine-Gipfel in Berlin auf die Bildung einer von Europa geführten
und von den USA unterstützten «multinationalen Truppe für die
Ukraine» zur Absicherung eines möglichen Waffenstillstands und zur
Unterstützung der ukrainischen Streitkräfte verständigt. Von
gemeinsamen Manövern vor einem Waffenstillstand war damals noch nicht
die Rede. Die Bemühungen um ein Ende des Krieges sind seit Monaten
festgefahren.

Wie Macron sagte, sollen bei den Manövern Einsatzpläne getestet
werden. Laut der Abschlusserklärung des Pariser Gipfels soll die
Truppe dabei ihre Fähigkeiten für einen Einsatz nach Beendigung der
Feindseligkeiten demonstrieren. Sie soll demnach in Friedenszeiten
ukrainische Streitkräfte unterstützen, etwa bei der Sicherung des
Luftraums und der Seegebiete.

Merz lässt deutsche Beteiligung offen

Merz erwähnte die multinationale Truppe und die Manöver in seinem
Statement nicht. Er sprach lediglich davon, dass die Koalition der
Willigen bereit sei, bei den Sicherheitsgarantien für die Ukraine
nach einem Waffenstillstand eine «wichtige Rolle» zu spielen in enger
Zusammenarbeit mit den USA. Über die Ausgestaltung würden die Ukraine
und ihre Verbündeten entscheiden, nicht Moskau. 

«Über Art und Umfang des deutschen Beitrags wird die Bundesregierung
und der Deutsche Bundestag ebenfalls entscheiden», betonte der
Kanzler. Merz hatte den deutschen Beitrag für eine multinationale
Truppe schon im Dezember nach dem Ukraine-Gipfel in Berlin offen
gelassen.

Lieferung weiterer Waffensysteme

Macron bekräftigte zudem die Lieferung weiterer Waffensysteme an die
Ukraine. «Die Unterstützung der Ukraine ist eine Investition in
unsere eigene Sicherheit. Und diejenigen, die glauben, dass dieser
Krieg an den ukrainischen Grenzen haltmachen wird, wenn wir nachgeben
oder Mittel suchen, um dem Aggressor entgegenzukommen, irren sich»,
betonte Frankreichs Staatschef.

In der Koalition der Willigen haben sich mehr als 35 Länder
zusammengeschlossen. Anfang des Jahres verständigten sie sich in
einer Pariser Erklärung darauf, der Ukraine rechtlich verbindlich
zuzusichern, sie im Fall eines erneuten russischen Angriffs nicht
allein zu lassen. 

Angesichts anhaltender russischer Angriffe auf die Ukraine schlossen
sich Deutschland, Frankreich und sieben weitere Länder bei dem
Treffen in Paris mit der Ukraine in einer neuen rein defensiven
Koalition zur Raketenabwehr zusammen. «Mit der Gründung der
Raketenabwehr-Koalition stärken wir die Fähigkeiten, die Europa
benötigt», sagte Macron. Beteiligt sind außerdem Dänemark, Italien,

die Niederlande, Norwegen, Spanien, Schweden sowie Großbritannien.
Ziel des neuen Bündnisses ist eine industrielle Zusammenarbeit, um
bestehende Raketenabwehrsysteme zu ergänzen.

Ukraine entwickelt eigenes Abwehrsystem

Der ukrainische Präsident Selenskyj warb auf dem Pariser Treffen für
die Schaffung eines neuen europäischen Flugabwehrsystems innerhalb
von zwölf Monaten. Die Ukraine arbeitet an einem eigenen System
namens Freyja, das eine kostengünstige und leistungsfähige
Alternative zum US-amerikanischen Patriot-System darstellen soll. 

Selenskyj bemüht sich nach Kräften darum, neue Munition für die
Patriot-Flugabwehrsysteme seines Landes von den Partnern zu bekommen.
Sie sind die wirksamste Abwehrwaffe gegen Russlands ballistische
Raketen. Doch die Lenkflugkörper PAC-3 sind knapp, die Produktion in
den USA läuft langsam.

US-Präsident Donald Trump hatte der Ukraine beim Nato-Gipfel in
Ankara eine Lizenz zum Bau von Munition für das Flugabwehrsystem
Patriot in Aussicht gestellt. Doch das ist eine langfristige Lösung -
und Russland nutzt die aktuell knappe Munition vor Ort aus. 

Selenskyj bittet um weitere Flugabwehrraketen

Für den kommenden Winter bat Selenskyj um zusätzliche Lieferungen von
Flugabwehrraketen. «Wir haben berechnet, dass in diesem Paket 100
Patriot-Raketen pro Monat sein sollten - 300 Raketen für den Winter»,
sagte der Staatschef gemäß einer Mitteilung zu den Gesprächen. Je
mehr Schutzmittel die Ukraine habe, umso weniger Gründe habe
Russland, den Krieg bis in den Winter zu ziehen. Die Ukraine wehrt
sich seit Februar 2022 gegen eine russische Invasion. Die ukrainische
Flugabwehr wurde bislang dank westlicher Hilfe, dabei vor allem aus
Deutschland, modernisiert.