EU und Ukraine schließen Drohnen-Deal - Schiffe angegriffen

15.07.2026 16:37

Mit vereinten Kräften wollen die EU und die Ukraine die Produktion
von Drohnen hochfahren. Derweil meldet Kiew erneut Attacken auf
russische Schiffe und eine neue Etappe im Seekrieg.

Kiew (dpa) - Vor dem Hintergrund weiterer massiver ukrainischer
Angriffe auf russische Schiffe und andere Ziele schließen die EU und
Kiew eine neue Partnerschaft zur gemeinsamen Produktion von Drohnen.
Wie EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bei einem Besuch
in Kiew ankündigte, geht es darum, Stärken miteinander zu verbinden.
Das Wissen, das die Ukraine über den Einsatz von Drohnen- und
Drohnenabwehrsystemen erworben habe, sei wahrhaft einzigartig, sagte
sie. Europa verfüge hingegen über enorme technologische und
industrielle Kapazitäten und habe sichere und geschützte
Produktionsstandorte, die zur Ausweitung der Fertigung beitragen
könnten.

«Die Ereignisse hier und in anderen Teilen der Welt haben uns
gezeigt, wie wichtig es für unsere Sicherheit ist, einsatzerprobte
Drohnensysteme schnell und in großer Stückzahl bereitstellen zu
können», sagte sie mit Blick auf die Kriege in der Ukraine und im
Iran. Ziel des «Drohnen-Deals» sei es, die nötigen Impulse zu geben,

um Investitionen und Produktion entscheidend zu steigern.

Von der Leyen kündigte zudem an, dass die EU aus ihrem 90 Milliarden
Euro schweren Finanzhilfepaket für die Ukraine eine weitere Milliarde
Euro für die Beschaffung von Drohnen ausgezahlt habe. Diese Milliarde
kommt zu den 3,9 Milliarden Euro hinzu, die bereits im Juni für
diesen Zweck überwiesen wurden. Eine weitere zweistellige
Milliardensumme für die Finanzierung von weiteren Drohnen,
Marschflugkörpern und Kampfjets soll noch folgen.

Neben der EU-Kommissionspräsidentin trafen auch mehrere Staats- und
Regierungschefs aus Südosteuropa in Kiew zu einem Gipfel ein. Es gehe
darum, das politische Zusammenspiel und die Kooperation im
Sicherheits- und Verteidigungsbereich zu stärken, teilte der
ukrainische Außenminister Andrij Sybiha auf der Plattform X mit. 

EU will Schutz für wehrfähige Ukrainer einschränken

Eine neue geplante EU-Einigung sieht indes vor, dass sich wehrfähige
Ukrainer einem Einsatz im Krieg gegen Russland künftig schwerer
entziehen können und nach dem Willen der Mitgliedsländer nicht mehr
so einfach Zuflucht in der EU finden. Es sollen dann nur noch
diejenigen von vereinfachten Aufnahmeregeln profitieren, die ihren
Wehrdienst in der Ukraine geleistet haben oder freigestellt sind, wie
der Rat der EU-Staaten mitteilte. Die grundsätzliche Einigung soll
demnach in den kommenden Wochen formal beschlossen werden. 

Die Änderung würde nur bei Männern Anwendung finden, die neu in die
EU kommen. Nach dem Willen der EU bliebe ihnen künftig nur die
Möglichkeit eines Asylantrags, sie hätten also deutlich geringere
Aussichten auf Schutz und eine Aufenthaltserlaubnis.

Ukrainer beschießen russische Tanker im Schwarzen Meer

Die ukrainischen Drohnentruppen haben derweil nach eigenen Angaben
mit dem Beschuss russischer Tanker im Schwarzen Meer begonnen. «Die
ersten 20 Tanker im Schwarzen Meer wurden in der Nacht zum 15. Juli
erledigt», schrieb der Chef der ukrainischen Drohnentruppen, Robert
Browdi, in seinem Telegramkanal. Die Drohnen hätten 17 Öltanker, 2
Gastanker und 1 Schleppschiff getroffen. 

Die Angaben waren zunächst nicht unabhängig zu prüfen. Zuvor
berichteten die Ukrainer, im Asowschen Meer aktiv gewesen zu sein.
Nach Angaben Browdis wurden im Asowschen Meer insgesamt 116 Schiffe
attackiert. Damit sei «die erste Runde des Seekriegs beendet»,
schrieb er. 

Nun gehe es darum, im Schwarzen Meer mindestens genauso viele
russische Tanker zur Strecke zu bringen. Seiner Darstellung nach
konzentriert sich die Ukraine dabei auf Schiffe der russischen
Schattenflotte, die Moskau zur Umgehung westlicher Sanktionen nutzt.
Das Asowsche Meer ist ein Randmeer des Schwarzen Meeres, verbunden
mit diesem durch die Meerenge von Kertsch. 

Tote bei russischen Drohnenschlägen

Die Ukraine wehrt sich seit mehr als vier Jahren gegen Russlands
Invasion und zielt mit ihren Angriffen einerseits darauf, die
russischen Besatzungstruppen von der Treibstoffversorgung
abzuschneiden. Andererseits will Kiew damit den für die
Kriegsfinanzierung wichtigen Ölexport Moskaus stören.

Bei russischen Angriffen auf die Hafenstadt Odessa im Süden der
Ukraine starben nach Behördenangaben mindestens drei Menschen. Auch
aus anderen Teilen der Ukraine gab es Meldungen über einzelne Tote
und Verletzte. Das russische Militär sprach von einem kombinierten
Schlag mit «luftbasierten Hochpräzisionswaffen und Kampfdrohnen» im
Raum Odessa gegen Reservoirs und Anlagen zur Verschiffung von
Treibstoffen für das ukrainische Militär. Außerdem sei eine
Drohnenfabrik beschossen worden.

US-Senatoren stellen Gesetz für neue Russland-Sanktionen vor

Mehrere Senatoren der beiden großen Parteien in den USA stellten
indes einen überarbeiteten Gesetzentwurf für neue Sanktionen gegen
Russland vor. Die von Republikanern und Demokraten gestützte
Initiative sehe Zölle von bis zu 100 Prozent vor, die sich gegen die
größten Abnehmer von russischem Öl und Gas richten sollten, sagte der

demokratische Senator Richard Blumenthal bei einer Pressekonferenz.
Namentlich erwähnte er dabei unter anderem China und Indien. 

In Moskau kündigte Kremlsprecher Dmitri Peskow an, die Äußerungen aus

den USA zu möglichen neuen Sanktionen zu analysieren. Details nannte
er nicht. 

Aus Peking kam umgehend Kritik an dem Entwurf. Doppelmoral und Zwang
würden sich letztlich negativ auswirken, sagte Außenamtssprecher Lin
Jian am Mittwochmorgen. China lehne illegale, einseitige Sanktionen
ohne Grundlage im Völkerrecht ab und werde alle notwendigen Maßnahmen
ergreifen, um die Rechte und Interessen seiner Firmen und Bürger zu
schützen, sagte er.