EU-Kommission: Milliarden-Kosten durch Stickstoffbelastung

15.07.2026 16:32

Durch Dünger gerät Nitrat in Gewässer und verunreinigt sie, auch in
Deutschland. Das sorgt laut einer Analyse der EU-Kommission für hohe
Kosten. Deshalb gibt es Regeln.

Brüssel (dpa) - Stickstoffbelastung durch die Landwirtschaft
verursacht in der EU nach Einschätzung der Europäischen Kommission
jährlich Kosten in Höhe von 68 bis 182 Milliarden Euro. Dabei geht es
unter anderem um Kosten für die Trinkwasseraufbereitung. Das geht aus
der ersten umfassenden Evaluierung der europäischen Nitratrichtlinie
von 1991 hervor. 

Die Richtlinie schreibt Grenzwerte für Nitrat im Wasser vor und
verpflichtet die EU-Staaten, Maßnahmen zum Schutz der Gewässer vor
Nitratbelastungen durch landwirtschaftliches Düngen umzusetzen.
Nitrat ist eine Stickstoffverbindung, die Pflanzen direkt aufnehmen
können. Da Pflanzen sie nur begrenzt aufnehmen können, belasten
Überschüsse Böden, Gewässer und die biologische Vielfalt. 

Die Richtlinie habe für eine Kostensenkung in Höhe von 10 bis 22
Milliarden Euro pro Jahr gesorgt, heißt es in der Untersuchung. Dem
stünden 2,8 bis 3,1 Milliarden Euro an jährlichen Umsetzungskosten
für landwirtschaftliche Betriebe und Behörde gegenüber. Dabei geht es

unter anderem um die Überwachung der Wasserqualität und die
Durchsetzung der Vorgaben. Die Kosten für landwirtschaftliche
Betriebe machen dabei nach Angaben der Brüsseler Behörde weniger als
1 Prozent der Produktion aus. 

Flexiblere Sperrfristen werden geprüft

Die Vorgaben trugen dazu bei, in vielen Teilen der EU die Belastung
zu senken, wie die EU-Kommission mitteilte. Es gebe aber Potential
für Vereinfachungen und eine Senkung des Verwaltungsaufwands für
Landwirte. Dazu soll es Absprachen mit den Mitgliedstaaten geben -
unter anderem zu einem besseren Umgang mit überschüssigem Dünger und

einer hohen Viehdichte sowie zum Verwaltungsaufwand speziell für
kleine Betriebe. Denkbar seien auch weniger starre Sperrfristen.

Die EU-Kommission prüft zudem wie bereits angekündigt, unter welchen
Bedingungen bestimmte aufbereitete Gülleprodukte künftig rechtlich
wie Mineraldünger behandelt werden könnten. Umweltschutzstandards
sollen demnach weiter eingehalten werden. Dazu soll im Laufe des
Jahres eine vorläufige wissenschaftliche Bewertung vorgelegt werden. 

Bauernverband will mehr Flexibilität

Der Deutsche Bauernverband sprach sich für eine Flexibilisierung der
Vorgaben für Betriebe, die nachweislich gewässerschonend
wirtschaften, aus. «Die Richtlinie muss stärker auf Ergebnisse statt
auf starre Vorgaben ausgerichtet werden und den erheblichen
Fortschritten in der landwirtschaftlichen Praxis Rechnung tragen»,
teilte Generalsekretärin Stefanie Sabet zudem mit. 

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) sah in der
Evaluation ein «starkes Signal für den Gewässerschutz». «Europa
braucht keine schwächere Nitratrichtlinie, sondern ihre vollständige
und wirksame Umsetzung in allen Mitgliedstaaten.»

Grundwasser ist zu stark belastet

In der Landwirtschaft wird Nitrat als Mineraldünger oder in Form von
Gülle für mehr Pflanzenwachstum verwendet. In vielen Regionen
Deutschlands ist das Grundwasser durch den Eintrag von Dünger aus der
Landwirtschaft zu stark belastet.

Nitrate an sich sind für den Menschen nach Angaben des
Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) relativ unbedenklich.
Bakterien können sie aber in Lebensmitteln oder beim
Verdauungsprozess in gesundheitsschädliches Nitrit umwandeln.