Brüssel macht Druck bei Alphabet: Mehr als nur «Hey Google»

16.07.2026 17:17

Die EU-Kommission will die Machtverhältnisse im Netz regulieren und
kleinere Suchmaschinen und KI-Chatbots gegenüber Google stützen.
Welche Vorteile sieht sie für Verbraucherinnen und Verbraucher?

Brüssel (dpa) - Die Europäische Kommission macht im Streit mit Google
um KI-Optionen für Android-Nutzer sowie die Weitergabe von Daten an
Suchmaschinen verbindliche Vorgaben an den US-Konzern. Google muss
laut Mitteilung der Wettbewerbshüter in Brüssel damit beginnen, Daten
mit Drittanbietern von Suchfunktionen zu teilen, darunter auch
KI-Chatbots. Zudem muss der Tech-Riese konkurrierenden KI-Assistenten
vollen Zugang zu den Funktionen des Google-Betriebssystems Android
gewähren.

Ziel der Maßnahmen sei es, europäischen Nutzerinnen und Nutzern eine
breitere Auswahl an KI- und Suchdiensten zu ermöglichen, erklärte die
Kommission.

Gemini soll Konkurrenz bekommen

Konkret sollen Menschen ihren bevorzugten KI-Assistenten auf
Android-System per Sprachbefehl aktivieren können, ähnlich wie mit
«Hey Google». KI-Dienste sollen zudem in der Lage sein, Aktionen wie
Taxibuchungen in Apps auszuführen. Bislang behält Google laut
EU-Kommission diese Möglichkeiten weitgehend etwa seinem eigenen
KI-Angebot Gemini vor. 

Die zweite Entscheidung betrifft das Teilen von Daten zu
Suchanfragen, Rangfolgen in den Ergebnissen sowie Klick- und
Nutzungsverhalten. Der Austausch mit Drittanbieter-Suchmaschinen sei
entscheidend für deren Entwicklung und Optimierung, so die
Kommission. Ihr Ziel ist es, dass kleinere Suchmaschinen und
KI-Chatbots trotz der dominierenden Marktstellung von Google eine
Chance im Wettbewerb haben. 

Google kritisiert Vorgaben: Gefahr für Privatsphäre 

Der Tech-Riese wies die Vorgaben wegen Datenschutzbedenken erneut
zurück. «Die heutigen Entscheidungen bergen die Gefahr, dass wichtige
Schutzmechanismen für die Privatsphäre und Sicherheit von Millionen
Europäern untergraben werden», hieß es vom Unternehmen.

Besonders besorgniserregend sei, dass die privaten Suchanfragen der
Europäer unbekannten Unternehmen zugänglich gemacht würden. Die
EU-Kommission betonte hingegen, dass die Entscheidung eine
Anonymisierung der Suchdaten sicherstelle und eine mehrschichtige
Methode dafür festlege.

Die Maßnahmen zu Suchdaten muss Google laut Kommission ab Januar 2027
umsetzen, beim Android-System ab Juli 2027. Die Vorgaben basieren auf
dem Gesetz über digitale Märkte (Digital Markets Act - DMA), mit dem
die EU die Macht großer Online-Plattformen begrenzen will. Google
gehört zu den sogenannten Gatekeepern («Torwächtern»), die wegen
ihrer dominanten Stellung besonderen Regeln unterliegen.