Wadephul schlägt EU-Mission als Ersatz für UN-Truppe im Libanon vor
17.07.2026 00:01
Ende des Jahres endet der UN-Blauhelmeinsatz im Libanon. Der deutsche
Außenminister warnt vor einem Sicherheitsvakuum - und hat einen
Vorschlag.
Berlin (dpa) - Außenminister Johann Wadephul bringt als Ersatz für
die zum Jahresende auslaufende UN-Mission im Libanon eine Truppe mit
EU-Mandat ins Gespräch. «Wir sollten in der EU prüfen, ob wir im
Anschluss an die Unifil-Mission mit einem europäischen Mandat dafür
sorgen können, dass kein Sicherheitsvakuum entsteht», sagte der
CDU-Politiker dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Das könne die
Voraussetzung dafür schaffen, dass sich die israelische Armee
zurückzieht, «ohne dass die Hisbollah mit ihrem Terror zurückkehrt»
.
«Im Libanon mit seiner sich stabilisierenden Regierung gibt es im
Moment eine der hoffnungsvollsten Entwicklungen der Region»,
argumentierte Wadephul. «Wir Europäer müssen alles dafür tun, dass
dieser Prozess positiv weitergeht.»
Der UN-Sicherheitsrat hatte im August 2025 die Beendigung der
gesamten Unifil-Mission beschlossen. Diese wurde 1978 zur Überwachung
des Grenzgebiets zwischen Israel und dem Libanon gestartet. Nach
ihrem Ende soll die libanesische Armee die Kontrolle übernehmen. Auch
die Bundeswehr ist an Unifil beteiligt: Die deutsche Marine hilft im
Seegebiet vor dem Libanon dabei, Waffenschmuggel zu verhindern und
die libanesische Marine auszubilden.
Frankreich und Italien wollen neue Unterstützungsmission
Frankreich und Italien hatten Ende Juni angekündigt, sich nach dem
Ende des UN-Einsatzes im Libanon für eine neue Unterstützungsmission
für das vom Krieg erschütterte Land starkzumachen. Der französische
Präsident Emmanuel Macron hatte deutlich gemacht, dass es aus seiner
Sicht noch unklar ist, was für ein Mandat eine solche neue Mission
haben könnte. Die EU plant bereits einen Unterstützungseinsatz für
die Streitkräfte und die Polizei im Libanon. Dabei soll es sich um
eine mindestens dreijährige militärische und zivile Mission handeln.
Die libanesische und die israelische Regierung führen erstmals seit
Jahrzehnten direkte politische Gespräche, um die Waffenruhe im
Konflikt Israels mit der proiranischen Hisbollah-Miliz zu festigen.
Trotz der Waffenruhe kommt es immer wieder zu Angriffen zwischen
Israel und der Hisbollah. Israel hält auch weiter Truppen im Süden
des Nachbarlandes. Beirut und die Hisbollah betrachten die von Israel
kontrollierte «Sicherheitszone» als völkerrechtswidrige Besetzung.
