Von Öl und Gas zu Strom: EU-Kommission prüft Ziel für 2040

17.07.2026 13:24

Europa soll unabhängiger von fossilen Energieträgern werden. Damit
könnte man auch klimaschädliche Emissionen einsparen. Dafür soll
unter anderem Strom erschwinglicher werden.

Brüssel (dpa) - Anlagen in Industrie, Gebäuden und Verkehr sollen
nach dem Willen der Europäischen Kommission künftig häufiger mit
Strom betrieben werden. Die Brüsseler Behörde prüft ein
Elektrifizierungsziel von 46 Prozent bis 2040. Das kündigte sie jetzt
für das laufende Jahr an. Hintergrund der Strategie ist es, weniger
fossile Energie zu verbrauchen, der Anteil von Strom aus erneuerbaren
Energiequellen soll steigen.

Derzeit liegt die Elektrifizierungsrate in der EU Kommissionsangaben
zufolge stagnierend bei 23 Prozent, bis 2030 wird eine Quote von 32
Prozent angestrebt. China, Korea und Japan erreichten bereits jetzt
über 30 Prozent, so die Behörde.

In Deutschland 20 Prozent erreicht

In Deutschland lag der Elektrifizierungsgrad zuletzt (2024) nach
Angaben des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft bei 20
Prozent. Während im Bereich Gewerbe, Handel, Dienstleistungen demnach
38 Prozent des Energiebedarfs durch Strom abgedeckt wird und in der
Industrie 31 Prozent, sind es bei den privaten Hausalten 21 Prozent
und im Verkehr nur 3 Prozent. Nach Gebäuden werde in Energiebilanzen
nicht extra aufgeschlüsselt, schrieb der Verband.

Der seit Februar andauernde Iran-Krieg hat nach Kommissionsangaben zu
50 Milliarden Euro zusätzlichen Kosten für Öl- und Gasimporte gefüh
rt
- ohne das mehr Brennstoff bezogen wurde. Nach Beginn des
Ukraine-Kriegs sei dies bereits die zweite fossile Preiskrise
innerhalb von fünf Jahren.

Da die EU mehr als die Hälfte ihres Energieverbrauchs mit
importierten fossilen Energieträgern decke, bestehe eine strukturelle
Verwundbarkeit. Energieunabhängigkeit sieht die Kommission daher als
Souveränitätsfrage.

Milliarden Euro sparen

Von einer Umstellung auf mehr Strom erhofft sich die Kommission, dass
bis 2040 mehr als 70 Prozent der Gasimporte ersetzt werden und die
Rohöleinfuhr der Staatengemeinschaft um 40 Prozent gesenkt werden
kann. 

Eingespart werden sollen Schätzungen zufolge bis zu 260 Milliarden
Euro an fossilen Importkosten bis 2040. Zudem könne die
Elektrifizierung dazubeitragen, die CO2-Emissionen bis 2040 um mehr
als 2 Milliarden Tonnen zu senken, rund 20 bis 30 Prozent der
derzeitigen Emissionen.

Wärmepumpen und Strompreise

Die EU-Kommission will unter anderem den Einbau von Wärmepumpen
vorantreiben und den Absatz von Elektroautos erhöhen. Außerdem soll
Strom erschwinglicher werden. Bislang ist Strom für Haushalte und
Industrie im Durchschnitt deutlich teurer als Gas. Die EU-Kommission
will im Laufe des Jahres vorschlagen, Subventionen für fossile
Brennstoffe schrittweise abzuschaffen. Nach einem formellen Vorschlag
müssen die EU-Länder und das Parlament über diesen beraten, bevor
mögliche Änderungen in Kraft treten.

Zu einigen Aspekten hat die EU-Kommission nun bereits einen solchen
Vorschlag vorgelegt. Unter anderem soll Strom niedriger besteuert
werden als Erdgas. Die Brüsseler Behörde schlägt auch vor, die
Übertragungs- und Verteilungsnetzentgelte flexibler zu konzipieren.
Mitgliedstaaten sollen Steuern und Entgelte für bestimmte Nutzer
senken können, etwa energieintensive Industrien oder
Energiegemeinschaften.