Wettbewerbsdruck: EU-Kommission will Europas Banken stärken
17.07.2026 16:40
Verteidigung, Digitalisierung, Klimaschutz: Europa hat einen riesigen
Investitionsbedarf. Wie können Regeln für Banken vereinfacht werden,
ohne neue Krisen zu riskieren? Die EU-Kommission hat Ideen.
Brüssel (dpa) - Die EU-Kommission will Europas Bankensektor stärken
und dafür etwa grenzüberschreitende Bankgeschäfte erleichtern sowie
Bürokratie abbauen. Außerdem plant die Brüsseler Behörde, dass
Kapital EU-weit flexibler genutzt werden kann und die Sicherung von
Kundengeldern zu reformieren.
Zersplitterung des Bankenmarkts Herausforderung
Die Behörde sieht die Zersplitterung des europäischen Bankenmarkts
entlang nationaler Grenzen als eine der zentralen Herausforderungen.
Darüber hinaus sei das Regelwerk für Banken oft überkomplex. Zudem
gälten für kleine Banken oft dieselben Vorschriften wie für große,
internationale Banken.
Daher will die Kommission den Verwaltungsaufwand für Geldhäuser
senken - betont jedoch, dabei nicht die Stabilität des Finanzsystems
gefährden zu wollen. Vorgesehen sind etwa einfachere
Eigenkapitalvorschriften und erleichterte Anforderungen für kleine
sowie wenig komplexe Banken. Für mehr Effizienz sollen internationale
Bankengruppen nach dem Willen der Kommission daher überschüssiges
Kapital einfacher dorthin verschieben können, wo es am dringendsten
benötigt wird.
Neuer Vorschlag in Einlagensicherungs-Streit
Außerdem plant die Behörde, die Sicherung von Kundengeldern einfacher
und effektiver zu machen - und europäisch. Bislang können sich die
EU-Staaten genau darauf nicht einigen und streiten seit Jahren über
eine grenzübergreifende sogenannte Einlagensicherung. Besonders
deutsche Banken fürchten, dass mit ihren Geldern Schieflagen von
Instituten in anderen Staaten finanziert werden. Die Kommission will
nun mit einem neuen Vorschlag die Debatte beleben. Er soll auf
bereits bestehenden nationalen und zentralen Sicherheitsstrukturen
aufbauen.
Konkrete Gesetzesvorschläge erst nächstes Jahr
Den Vorstößen der Kommission sollen Anfang 2027 konkrete
Gesetzesvorschläge folgen. Etwa für Aufrüstung, Digitalisierung und
Klimaschutz sind in der EU riesige Investitionen notwendig. In
Schätzungen wird der Investitionsbedarf auf rund eine Billion Euro
jährlich beziffert. «Stärkere und größere EU-Banken können die
Entwicklung der EU-Kapitalmärkte fördern, insbesondere
grenzüberschreitend», so die Kommission.
Banken spielten auch eine wichtige Rolle in der EU-Wirtschaft, indem
sie Haushalte und Unternehmen unterstützten, so die Kommission. Ihren
Angaben zufolge stellen sie 75 Prozent der Unternehmenskredite an
EU-Firmen bereit.
Verhaltene Reaktion in Deutschland
Die deutsche Finanzindustrie reagierte verhalten auf den Brüsseler
Vorstoß. «Die Europäische Kommission benennt zwar wesentliche
Problemfelder zutreffend, wozu zum Beispiel die übermäßige
Komplexität der regulatorischen Anforderungen und die besonderen
Belastungen für kleine, risikoarme Institute zählen», kommentierte
Daniel Quinten, Vorstandsmitglied des Bundesverbandes der Deutschen
Volksbanken und Raiffeisenbanken, für die gesamte Deutsche
Kreditwirtschaft (DK). «Konkrete Maßnahmen zur Beseitigung dieser
Probleme sowie der bekannten Wettbewerbsnachteile durch steigende
europäische Kapitalanforderungen kommen hingegen zu kurz oder bleiben
zu vage.»
Beispielsweise bleibe «weitgehend offen, welche Erleichterungen sie
für kleine und mittlere Institute anstrebt, die ein risikoarmes und
regional fokussiertes Geschäftsmodell aufweisen». Zudem dürften die
Kapitalanforderungen in Europa nicht weiter steigen. «Besonders mit
Blick auf die angekündigten Entlastungen für US-Banken müssten
Übergangsregelungen in Europa verstetigt und geplante
Regelverschärfungen abgemildert werden.»
Bankenunion weiter im Fokus
Die Vollendung einer Bankenunion ist weiterhin das klare Ziel der
EU-Kommission, wie es in Brüssel weiter hieß. Europäische Banken
nutzten den Wettbewerbsvorteil eines großen Binnenmarktes bisher zu
wenig - das müsse sich angesichts der aktuellen geopolitischen Lage
dringend ändern, sagte ein EU-Beamter. Heute seien unrentable Kredite
viel gleichmäßiger in den EU-Staaten verteilt als in der
Vergangenheit. Banken in der EU seien zudem deutlich profitabler und
krisenfester. Die Bankenunion war als Reaktion auf die globale
Finanzkrise 2008 und die anschließende Staatsschuldenkrise im
Euro-Raum geschaffen worden. Neben der einheitlichen Aufsicht und
einem einheitlichen Abwicklungsmechanismus für angeschlagene Häuser
soll die bislang nicht realisierte Einlagensicherung der dritte
Pfeiler der Bankenunion werden.
Die Organisation «Finance Watch» setzt sich für eine Reform der
Finanzmarktregulierungen ein. Sie sieht für europäische Banken ebenso
einen Nachteil darin, dass die Branche keine vergleichbaren
Effizienzvorteile durch einen zusammenhängenden Markt hat wie
US-Institute. Die Vorhaben der Kommission wichen allerdings von dem
Ziel ab, Banken als Lehre aus der Finanzkrise widerstandsfähiger zu
machen. Eine Senkung der Kapitalanforderungen führe nicht zu mehr
Investitionen in die Wirtschaft. Stattdessen brauche es die
Vollendung der Bankenunion und eine glaubwürdige Einlagensicherung.
