Salzgitter-Chef warnt vor Lockerung beim EU-Emissionshandel
18.07.2026 10:45
Die EU-Kommission will den Emissionshandel lockern - doch Salzgitter
warnt: Das könnte die Klimaschutzprojekte erschweren und Vorreiter
bestrafen.
Salzgitter (dpa) - Salzgitter-Chef Gunnar Groebler kritisiert die
Pläne der EU-Kommission zur Reform des Emissionshandels. Die Pläne
gefährdeten Investitionen in den Klimaschutz und bestraften
Unternehmen, die bereits mit dem Umbau begonnen hätten. «Eine
Industriepolitik, die nachträglich die Spielregeln ändert, darf
Vorreiterunternehmen nicht im Regen stehen lassen», schreibt Groebler
auf der Plattform LinkedIn. EU-Parlament und Mitgliedsstaaten
forderte er auf, im Gesetzgebungsprozess nachzubessern.
Sein Unternehmen habe bereits Milliarden in den Umstieg auf grünen
Stahl investiert - «im Vertrauen auf einen stabilen und verlässlichen
Rechtsrahmen». Das dürfe nicht durch Lockerungen beim
Emissionshandels entwertet werden. «Wer im Vertrauen auf die
europäische Gesetzgebung investiert oder so wie wir bereits
investiert hat, darf am Ende nicht bestraft werden», so Groebler.
Der niedersächsische Stahlkonzern hat Ende 2023 mit der Umrüstung
seines Stahlwerks in Salzgitter begonnen. Bund und Land fördern den
Umbau mit gut 1,3 Milliarden Euro. Die erste Anlage für grünen Stahl
soll 2027 in Betrieb gehen. Statt im kohlebefeuerten Hochofen soll
der Stahl dann in einer neuen Anlage entstehen, die zunächst mit
Erdgas und später mit grünem Wasserstoff laufen kann.
«Die Entlastungen, die für die Zeit nach 2030 geplant sind, könnten
schon heute die Wirtschaftlichkeit und Finanzierbarkeit von
Dekarbonisierungsprojekten in Europa erschweren», warnt Groebler.
«Innovative, CO2-arme Geschäftsmodelle drohen dadurch an
Attraktivität zu verlieren - mit nachteiligen Folgen für die
Investitionsbereitschaft und die industrielle Resilienz Europas.»
Unter Druck von Wirtschaft und Mitgliedsstaaten schlägt die
EU-Kommission eine Abschwächung eines zentralen
Klimaschutzinstruments vor. So will die Brüsseler Behörde, dass die
Gesamtzahl verfügbarer Rechte für den Ausstoß klimaschädlicher Gase
wie Kohlendioxid (CO2) langsamer abnimmt als bevor. Außerdem soll es
in bestimmten Bereichen mehr kostenlose Zertifikate geben.
