) EU verhängt Rekordstrafe gegen AliExpress wegen Fälschungen Von Niklas Treppner, dpa
20.07.2026 14:25
Gefälschte Klamotten und Spielzeug, das nicht sicher für Kinder ist:
Produkte beim chinesischen Online-Händler AliExpress sind oft billig,
aber nach Ansicht der EU-Kommission eben auch illegal.
Brüssel (dpa) - Die EU verhängt eine Millionenstrafe gegen den
Online-Marktplatz AliExpress wegen des Verkaufs illegaler Produkte.
Der chinesische Online-Riese muss 550 Millionen Euro zahlen, unter
anderem weil gefälschte Kleidung, unsicheres Spielzeug und
gefährliche Kosmetika widerrechtlich wochenlang nicht von der
Plattform genommen wurden, wie die Europäische Kommission mitteilte.
Das zum Alibaba-Konzern gehörende Unternehmen teilte zur Strafe mit:
«Wir sind mit der heutigen Entscheidung und der unverhältnismäßigen
Geldbuße nicht einverstanden.» Diese spiegele die erheblichen,
proaktiven Verbesserungen, die man vorgenommen habe, nicht angemessen
wider. «Wir prüfen die Entscheidung sorgfältig und erwägen alle
verfügbaren Optionen», fügte AliExpress hinzu.
Brüssel kritisiert fehlende Sanktionen für Händler
Nach Ansicht der EU-Kommission hat das Unternehmen nicht genug getan,
um die Verbraucher in der EU vor illegalen Produkten zu schützen. Die
Händler, die von AliExpress eigentlich für den Verkauf illegaler
Produkte auf der Online-Plattform bestraft werden sollten, kamen nach
Ansicht der EU-Kommission zum Teil davon. Sie hätten ihr Geschäft oft
weiterbetreiben können, heißt es in der Mitteilung.
Dem Online-Riesen wird demnach auch vorgeworfen, nicht genug Personal
für die Überprüfung potenziell illegaler Produkte zu haben. Die
Kontrolleure haben laut EU-Kommission zu viel Arbeit. Zudem würden
die rechtswidrigen Produkte sogar empfohlen oder beworben, bevor
AliExpress sie von der Plattform entferne. Tests der Brüsseler
Internetwächter hätten gezeigt, dass trotz der Überwachungsversuche
der Firma folglich eine Vielzahl von gefälschten T-Shirts, Schuhen
oder unsicherem Kinderspielzeug zirkulierten.
Die Brüsseler Behörde hob dabei Fälschungen hervor, die auf der
Plattform angeboten würden. Die Verkäufer solcher Produkte
unterbieten nach Einschätzung der EU-Kommission seriöse Unternehmen,
die in Design, Sicherheitsprüfungen und Innovation investierten. Sie
zwängen diese, mit Produkten zu konkurrieren, bei denen diese
Investitionen umgangen würden, teilt die EU-Kommission mit.
EU-Digitalkommissarin Henna Virkkunen sagte, das Verhalten von
AliExpress gefährde Verbraucher in Europa, aber es sei auch unfair
gegenüber den Unternehmen, die sich an alle Gesetze hielten.
Handelsverband: Verstöße schneller erkennen und sanktionieren
Der Handelsverband Deutschland (HDE) begrüßte die Entscheidung der
EU-Kommission. «Wer europäische Regeln missachtet, muss mit spürbaren
Konsequenzen rechnen», sagte der stellvertretende
Hauptgeschäftsführer Stephan Tromp. Das gelte insbesondere für groß
e
Online-Marktplätze aus Drittstaaten. «Entscheidend ist, dass Verstö
ße
künftig schneller erkannt und konsequent sanktioniert werden.»
Ramona Pop, Vorständin des Verbraucherzentrale Bundesverbands,
bezeichnete die Geldbuße ein wichtiges Signal: «Unsichere und
nicht-konforme Produkte gefährden Verbraucherinnen und Verbraucher
und verzerren den Wettbewerb.» Es reiche nicht aus, dass illegale
Angebote schnellstmöglich gelöscht werden. Gefährliche Produkte
sollten gar nicht erst angeboten werden.
Asiatische Portale steigern Marktanteile auf Rekordwert
Neben dem Branchenriesen Amazon spielen Plattformen wie Temu, Shein
und eben AliExpress eine wachsende Rolle in Europa. Auf die Anbieter
entfielen im zweiten Quartal 5,3 Prozent der Onlinehandelsumsätze in
Deutschland - ein Rekordwert, wie der Bundesverband E-Commerce und
Versandhandel Deutschland berichtete. Beliebt sind sie vor allem
wegen ihrer niedrigen Preise.
Europas Zoll ist dementsprechend mit einer wachsenden Paketflut aus
dem Ausland konfrontiert. Um den unerwünschten Billigimporten etwas
entgegenzusetzen, wird in der EU seit diesem Monat für jedes Paket
mit einem Warenwert bis 150 Euro eine Abgabe in Höhe von drei Euro
fällig.
Rekordstrafe - aber weit unter Möglichkeiten
In dem nun in einer Millionenstrafe mündenden Verfahren hat
AliExpress nun bis zum 20. Oktober Zeit, einen Aktionsplan zur
Nachbesserung in Brüssel vorzulegen. Sollte die EU-Kommission mit den
vorgeschlagenen Maßnahmen einverstanden sein, setzt sie eine Frist,
bis wann diese umgesetzt werden müssten. Ist die Behörde der Ansicht,
dass AliExpress in der Sache nicht ausreichend mitarbeitet, könnte
die EU auch tägliche Strafen verhängen.
Das Verfahren läuft unter dem Gesetz über digitale Dienste (DSA), das
seit Februar 2024 gilt und das scharfe Schwert gegen Online-Riesen
sein soll. Die großen Plattformen müssen sich wegen des DSA an
deutlich strengere Vorschriften halten. Ansonsten müssen sie mit
empfindlichen Strafen rechnen: bis zu sechs Prozent des weltweiten
Jahresumsatzes des gesamten Konzerns, in diesem Fall also Alibaba,
sind möglich.
Zwar ist die Strafe für AliExpress die bisher höchste unter dem DSA.
Sie liege aber trotzdem weit unter der möglichen Höchststrafe von
über sieben Milliarden Euro, sagte eine EU-Beamtin. Der betrachtete
Jahresumsatz des Alibaba-Konzerns lag laut Europäischer Kommission
bei etwa 120 Milliarden Euro.
Ende Mai 200-Millionen-Strafe gegen Temu
Ähnlich wie das Verfahren gegen AliExpress mündete zuletzt auch das
Verfahren gegen den chinesischen Online-Marktplatz Temu in einer
Millionenstrafe. Vor knapp zwei Monaten verlangte die EU-Kommission
200 Millionen Euro vom Unternehmen - ebenfalls wegen des Verkaufs
illegaler Produkte. Verbraucher in der EU stießen mit hoher
Wahrscheinlichkeit auf Temu auf illegale Artikel, hatte die Brüsseler
Behörde mitgeteilt.
